Gesellschaftsinseln - Iles Sous-le-Vent

17.08.2011 - 21.09.2011

Huahine

Huahine ist die östlichste Insel der westlichen Gruppe der Gesellschaftsinseln. Sie ist vom Massentourismus wie etwa auf Moorea weitgehend verschont geblieben, weshalb nur selten Jetskis am auch ansonsten perfekten Ankerplatz (3 Meter glasklares Wasser über Sandgrund) vorbeikommen. Dabei ist diese Insel wunderschön, die Lagune zwischen Insel und Motu bietet ein Farbenspiel, dass auf Fotos einfach nicht gut rüberkommt: weißes Schäumen, wo die Wellen sich am Außenriff brechen; breite hellgelbe, mit braunen Flecken durchsetzte Streifen, wo das Wasser kaum einen Meter tief und mit kleinen Korallenköpfen gespickt ist; türkise Flächen, wo der korallenfreie Grund aus weißem Sand über 2 bis 5 Metern Wasser zum Ankern einlädt; tiefblaues Wasser, wo der Grund plötzlich auf 30 Meter abfällt. Besonders eindrucksvoll ist das ganze vom Gipfel des 462 Meter hohen Mt. Pohue Rahi, dessen Besteigung wir gemeinsam mit den Crews von SY Aroha und SY Freya in Angriff nehmen.

Alleine fahren wir mit dem Dinghie bis ans Südende der Insel, besichtigen Taro- und Bananenplantagen und das örtliche Marae, dass sich von den auf Moorea gesehenen dadurch unterscheidet, dass es erstens statt mitten im Wald direkt am Strand steht und zweitens statt aus Lavagestein aus Korallenblöcken gebaut ist. Ein weiterer Ausflug führt uns auch ans Nordende, wo es Vanille- und Bananenplantagen gibt, und ungefähr eine archäologische Städte pro Einwohner. Und damit das auch so bleibt, wird fleißig an neuen Ruinen gewerkt: eine ausgedehnte Hotelbungalowsiedlung ist schon schön im Zerfall begriffen, die leerstehenden Hütten werden von Einheimischen als Wochenend-Strandhütten genutzt.

Eine letzte Sehenswürdigkeit sind die heiligen Aale von Faie, bis zu zwei Meter lange, fette Fische mit leuchtend blauen Augen, die unter einer Brücke im beinahe ausgetrockneten Fluss leben und den Kindern aus der Hand fressen.

Raiatea und Tahaa

Raiatea und Tahaa sind zwei vom selben Riff eingeschlossene Inseln, und einmal in der Lagune befindet man sich in einem abwechslungsreichen und vor Schwell geschütztem Segelrevier. Kein Wunder, dass hier mehrere große Charterunternehmen einen Standort haben - erstmals seit langem sehen wir wieder mehr Charter- als Langfahrtyachten.

Nach einer Nacht und einem kurzen Einkaufsstopp in Uturoa, der Hauptstadt von Raiatea, wollen wir zunächst einmal Tahaa erkunden.

Wieder einmal schaffen wir es nicht, unser Boot zu versenken: Am späten Nachmittag legen wir uns im Osten von Tahaa an eine Boje vor dem Hotel Hibiscus, dessen Schildkrötenpflegestation wir uns am nächsten Morgen ansehen wollen. In der Nacht kommt schlagartig Wind auf, 20 bis 25 Knoten, in Böen bis zu 35. Auf der kurzen Strecke zwischen Riff und Bojen baut sich erstaunlicher Seegang auf, das Boot beginnt wild zu stampfen, das am Heck hängende Dinghie fährt surfend von Seite zu Seite. David geht um 2 Uhr nachts die Festmacher kontrollieren, mit der wir an der Boje hängen - einer ist bereits durchgescheuert, der andere kurz davor. Das nimmt uns die Entscheidung ab, wir müssen ablegen. Es ist Zeit genug, warme Kleidung anzuziehen, die starken Tauchlampen herauszusuchen, das Dinghie längsseits zu nehmen und nochmal in die Karte zu schauen. Dann fahren wir los, tiefer in die enge, gewundene Bucht, an deren Ende ein Hurricane Hole eingezeichnet ist. Es ist stockdunkel, wir können uns nur an den Leuchtfeuern orientieren. Nicht alle Seezeichen sind beleuchtet, doch im Vorbeifahren sind sie im Licht der Lampen zu erkennen, und die Seekarte stimmt. Je weiter wir fahren, desto ruhiger wird das Wasser. Sobald das Echolot weniger als 15 m Tiefe anzeigt, fällt der Anker, welcher sofort gut hält. Die restliche Nacht schieben wir noch Ankerwache und trinken beruhigenden Tee.

Nach zwei Tagen hat es sich ausgeweht, wir verlegen uns näher ans Ufer in seichteres Wasser vor dem Dorf Haamene und trauen uns an Land. Wir besuchen das Maison de la Vanille, eine kleine Vanillefarm, deren Besitzer uns gerne in die Geheimnisse der Schoten einführt. Da kaufen wir ihm doch gerne ein Päckchen ab. Eine Forststraße lädt zur Inselüberschreitung ein, die in zwei Stunden über einen Pass mit schöner Aussicht ins Hauptdorf Patio an der Nordküste führt.

Schließlich schaffen wir es bei schönem Wetter die Schildkrötenpflegestation beim Hotel Hibiscus zu besuchen. Schildkröten, die sich in Fischfallen gefangen haben, werden den Fischern abgekauft und in einem Gehege wieder aufgepeppelt. Ab 100 Euro Spende kann man ein Tier freikaufen, taufen und, nachdem es markiert wurde, mitnehmen und aussetzen. Auf diesen Spaß verzichten wir dann doch.

Dann geht es zurüch nach Raiatea, das deutlich größer als Tahaa ist. Um einen Eindruck von der Insel zu bekommen, mieten wir ein Auto und probieren, ob man nach zwei Jahren Pause immer noch Auto fahren kann. Es geht noch.

Erster Programmpunkt ist eine kurze, zweistündige Wanderung ins Inselinnere zu drei Wasserfällen. Den obersten erreicht man nur nach etwas Klettern, kann sich dann aber im Pool erfrischen. Dann geht es die Küste entlang weiter. Die Aussicht auf das bergige Inselinnere einerseits sowie die Lagune mit ihren Motus auf der anderen Seite, dazwischen Blumen, blühende Bäume oder Bäume mit Früchten gefällt uns gut. Schließlich erreichen wir eine der Hauptattraktionen: Das Marae Taputapuatea. Es ist das bedeutendste Marae Polynesiens, da jedes andere Marae, und sei es auch in Hawaii, einen Stein aus diesem enthalten muss, um die Zusammengehörigkeit zu symbolisieren. Entsprechend groß und beeindruckend ist das Areal dann auch.

Bora Bora

Eigentlich wollten wir gar nicht dort hin. Aber dann sieht es aus der Entfernung doch so schön aus, und jeder schwärmt davon.

Worin nun unterscheidet sich Bora Bora von den anderen Gesellschaftsinseln? Hauptsächlich einmal durch die Anzahl der Hotels - egal wo man sich befindet, man hat immer mindestens drei Bungalowsiedlungen im Blickfeld (von denen, wie wir später erfahren, einige Konkursruinen sind). Aber wir schaffen es doch, einige nette Fleckchen zu finden. Ganz im Südosten zum Beispiel einen schönen Schnorchelplatz, einen kurz vor der Riffkante gelegenen Korallengarten mit vielen kleinen bunten Fischen und erstaunlich schnell flüchtenden Schildkröten.

Die Insel ist nicht groß, die sie umrundende Straße flach - ideal, um sie auch bei großer Hitze mit einem Mietfahrrad zu umrunden. Fährt man langsam, so ist man nach zwei Stunden einmal herum. Um den Ausflug etwas zu verlängern erklimmen wir im Süden der Aussicht wegen einen kleinen Hügel, ebenso im Norden, wo eine steile Straße zu einer Kanone aus dem zweiten Weltkrieg führt. Ein Highlight ist das winzige Musee de la Marine, dessen Betreiber zahlreiche historisch relevante Schiffe als Modelle nachgebaut hat und freundlich unsere Fragen beantwortet. Dann holt uns wieder die Realität des hoffnungslos überteuerten Bora Bora ein: Vor einem Haus sehen wir einen kleinen Tisch mit zum Verkauf angebotenen Mangos. Wir fragen, was sie kosten sollen. 500 Francs. Das sind ca. € 4,50. Pro Stück. Verstört ziehen wir mangolos von dannen. Übrigens, 1/2 l Bier im Cafe kostet 800 Francs, ca. € 6,80.

Die nächsten Tage gibt es nicht mehr viel zu tun. Wir füllen unseren Dieseltank auf, gehen zweimal Abendessen, einmal davon im angeblich weltberühmten Bloody Marys. Das Essen war wirklich gut, nur der hier in den Restaurants dafür vorgesehene Zeitraum irritiert immer wieder: Um 18 Uhr ist das Lokal leer, nur die Bar wird langsam von ein paar Seglern bestzt. Gegen 19 Uhr werden Hotelgäste mit dem Autobus angeliefert, es ist plötzlich voll. Wir bekommen gerade noch den letzten Tisch. Ab 20 Uhr leert sich das Restaurant, die Gäste werden mit dem Bus ins Hotel zurückgebracht. Spätestens um 21 Uhr wird man vor die Tür gesetzt.

Als nächstes wollen wir Maupiti anlaufen, was aber nur bei besten Bedingungen möglich ist. Also warten wir noch ein bisschen, laden uns die Schweizer Crew der SY Yellow Dog zum Rumpunsch ein, wodurch wieder ein Tag zur Regeneration notwendig ist. Schlußendlich ist es soweit und wir können die teuerste aller Gesellschaftsinseln verlassen.

Maupiti

Andere Segler sind kurz vor uns aufgebrochen und quälen sich bei wenig Wind durch hohe Wellen zum 1000 Seemeilen entfernten Samoa. Wir quälen uns bei wenig Wind durch hohe Wellen zum 25 Seemeilen entfernten Mauputi, der westlichsten der Gesellschaftsinseln (wenn man von den Atollen Maupihaa, Manuae und Motu One absieht).

Diese Insel wird nur von den hartnäckigsten unter den Seglern angelaufen, da der Pass, also die Einfahrt in die Lagune, eine heikle Angelegenheit ist. Ist der Schwell aus Süden höher als etwa 2 m, dann kommt viel Wasser über das Riff im Süden. Es kann nur über den nach Süden offenen Pass wieder hinaus, und macht das mit bis zu 9 Knoten Strömung, die dann auf die Wellen trifft und so eine Zone von brechenden Wellen und Strudeln erzeugt. Der Pass ist natürlich auch nicht breit und gerade, sondern eng und gewunden. Zwei Richtfeuer weisen dem nervenstarken Steuermann den Weg, der unter keinen Umständen den Blick zur Seite lenken darf. Oder überhaupt ins Wasser. (Das nervöse Geschrei des Navigators, das im dem Rauschen der brechenden See kaum zu hören ist, reicht völlig.)

Wir haben aber wie gesagt auf beste Bedingungen gewartet und daher nur knapp über zwei Knoten Gegenströmung und Turbulenzen, die kaum ärger als im Panamakanal sind. Das schaffen wir gerade so. Beinahe wäre es aber doch nicht gut gegangen, da in dem Moment, in dem wir in den Pass einlenken wollten, ein heftiger Squall über uns gezogen ist, mit 25 kn Wind - natürlich genau gegenan - und dichtem Regen, in dem sich die Richtfeuer prompt verstecken. Wir drehen mehrere Warteschleifen, und als wir wieder etwas sehen können, geht es dann hinein. Der Anker fällt gleich ums Eck beim Manta Point, der nicht ohne Grund so heißen soll.

Zunächst suchen wir vergeblich nach Mantas, finden dafür traumhafte, spektakuläre Korallengärten mit glasklarem Wasser und unzähligen Fischen. Spätestens beim Sonnenuntergang mit grünem Blitz wissen wir, dass wir einen besonderen Ort gefunden haben. Der Wind hält dann ein paar Tage still und wir nutzen die Ruhe zur Lagunenerkundung mit dem Dhingy.

Eines morgens ist es dann soweit, unsere Ankernachbarn winken uns vom Dinghie aus zu - Mantas sind hier! Binnen Sekunden sitzen wir im Beiboot, düsen Richtung Manta-Putzstation, und sind schon im Wasser. Unter uns zieht ein Manta gemütlich seine Runden und lässt sich von kleinen Fischen beknabbern. Dann schwimmt noch einer in unser Blickfeld. Und noch einer...

Als es wieder windiger wird beginnen wir mit der Inselbesichtigung. Auch hier gibt es einen Berg den man besteigen kann. Er ist allerdings ähnlich dem Pass nichts für gemütliche Menschen, da der Weg sehr steil und heiß beginnt, später in Felskletterei übergeht. Der Ausblick ist die Mühe wert, denn unter uns liegt die schönste Lagune, die wir bisher gesehen haben. Beim Abstieg wird unser Glück vollkommen: Der Wald besteht, wie auf anderen Inseln auch, aus Mangobäumen. Nur hier sind wir erstmals zur richtigen Zeit und können unsere Rucksäcke mit kleinen, süßen Mangos füllen. In den folgenden Tagen wird eingekocht, püriert, gebacken,...

Langsam heißt es für uns von Französisch Polynesien Abschied zu nehmen. Die Stürme im Südpazifik nehmen anscheinend ab, und unser nächstes Ziel, Niue, wird damit angenehmer erreichbar. Bevor wir fahren kaufen wir noch ein wenig im Dorf ein, unter anderem auch ein paar Bananen. Als die nette Obstfrau erfährt, dass wir Segler sind, schenkt sie uns gleich noch eine ganze Staude grüner Bananen dazu. Als wir diese zufrieden am Boot aufhängen kommen Fischer vorbei und fragen, ob wir Fisch wollen. Na gerne doch. Wir können den netten Mann gerade noch bremsen, denn er wollte uns schon Fisch für den Bedarf einer polynesischen Großfamilie überreichen. Über die kleine Flasche Rum freuen sich auch seine Kollegen.

Den ersten Preis in Gastfreundschaft verdient sich am selben Nachmittag ein Hund: Wir machen einen Strandspaziergang, als sich ein großer Hund zu uns gesellt. Er läuft mit uns mit, wartet auf uns und wenn wir stehen bleiben um aufs Meer zu schauen, dann stellt er sich neben uns und schaut auch. Schließlich verschwindet er im Unterholz und wir winken ihm zum Abschied. Ein netter Kerl. Doch plötzlich panisches Gegacker, ein Hahn sprintet aus dem Gebüsch an den Strand, der Hund hinterher. Der Hahn vergisst in der Hektik, dass er auch höher als einen Meter fliegen kann, und schon haucht er im Maul des Hundes sein Leben aus, welcher ihn uns freudig mit dem Schwanz wedelnd vor die Füße legt. So ein braver Hund. Leider haben wir schon Fisch und lassen den Vogel liegen. Doch er wird uns nachgetragen... Wir fühlen uns der Hühnerpopulation gegenüber etwas schuldig, weil wir am Strand spazieren waren und hoffen, dass der Hahn einer von denen war, die immer schon mitten in der Nacht zum Krähen beginnen.

Kategorie: Reise | Tags: Franzoesisch Polynesien

Gesellschaftsinseln - Iles du Vent

26.07.2011 - 16.08.2011

Tahiti. Die Hure Babylon. Das Sodom der Südsee. In der Hauptstadt Papeete, wo drei Viertel aller Tahitianer wohnen, welche 70 % aller Französisch Polynesier darstellen, findet sich alles, was zu einer Großstadt gehört: Drogen (750 g Nutella um € 4,50), Alkohol (Hinano Bier), Verbrechen (0,3 l Hinano Bier kosten im Supermarkt € 1,70). Aber Achtung: Wer glaubt ein Bild von Tahiti zu haben, weil er die Bounty-Verfilmung mit Hopkins und Gibson gesehen hat - das Tahiti dort ist in Wirklichkeit Moorea. Und wie wir später überprüft haben kommen einem auch dort beim Einlaufen keine Hundertschaften halbnackter Frauen entgegengepaddelt. Sondern nur einzelne wenige. Die großteils T-Shirts tragen. Und zumeist Männer sind.

Tautira

Aber noch sind wir nicht für den Zivilisationsschock bereit, wir steuern zunächst einmal Tautira, einen kleinen Ort im Nordosten der südöstlichen Halbinsel - Tahiti Iti - an, wo wir als einzige Yacht ankern. Das Dorf ist hübsch, die Leute freundlich, Nutella ist aber teuer. Wir wandern ins Vallee Vaitepiha, bis wir Fluss und Weg aus den Augen verloren haben, ein Vorwärtskommen ohne die an Bord vergessene Machete nicht mehr möglich ist, und kehren wieder um.

Rund um Papeete

Schließlich glauben wir bereit zu sein und legen Kurs auf das auf der nordöstlichen Halbinsel - Tahiti Nui - gelegene Papeete an. Eine Möglichkeit wäre, um viel Geld (etwa € 30 pro Tag) im Stadthafen zu liegen, an Stegen oder mit Buganker an der Pier, beides direkt an der mehrspurigen Hauptstraße. Wir fahren lieber nach Westen, wo man in der Nähe der Marina Taina gut ankern können soll. Als wir um die Ecke biegen stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen sind: Weit über hunder Boote liegen hier, viel zu dicht gedrängt für die 15 - 20 Metern Wassertiefe. Wir sind schon beinahe am Aufgeben, da entdecken wir in hinterster Reihe einen Platz - 4 Meter Tiefe, Sandgrund, genug Platz zum schwojen - fast perfekt, wenn nicht auch hier der übers Riff schwappende Schwell und die durchbrausenden Motorboote und Jetskis das Liegen unruhig machen würde. Doch zu früh gefreut: Am nächsten Morgen kommt ein Einheimischer in einem Motorboot und behauptet, dies sei sein Wasserschigebiet (welches natürlich weder durch Bojen gekennzeichnet, noch in der Seekarte oder im Plan des Hafenmeisters vermerkt ist), wir mögen bitte verschwinden.

Wir verlegen uns nach Arue im Nordosten Papeetes, an eine Mooring des Tahiti Yacht Clubs: durch zwei Riffe vor Seegang geschützt, der zu dieser Jahreszeit ohnehin nicht aus Norden kommt; zivilisiertere Motorbootfahrer, die Vollgas erst nach dem Verlassen der Lagune geben; riesiger Supermarkt in Gehweite; Bus in die Innenstadt vor der Tür; günstige Waschmaschine; und - jetzt kommts: heiße Duschen! (Unsere ersten seit Anfang April auf Galapagos!) Das alles ist uns dann doch die ca. 8 € Liegegeld pro Tag wert. Wir sind ja (fast) nicht zum Vergnügen hier. Die nächsten 10 Tage wird geschliffen, lackiert, geputzt, getankt (Diesel, Wasser und Gas), repariert, serviciert und eingekauft. Nachdem David zu guter Letzt eine Tahitianische Ukulele (nicht mit der Hawaiianischen zu verwechseln!) bekommen hat, drängt es uns weiter, bevor wir noch mehr Geld ausgeben können.

Einmal hören wir am Funk einen Notruf des MRCC Papeete (Marine Rescue Coordination Center). Vom Inhalt können wir nur Teile erraten, er wird nur auf französisch durchgegeben: "3 bis 4 Personen über Bord...Moorea...ist jemand in der Nähe, der helfen kann?". Erst nach weit über einer Stunde und mehreren nicht beantworteten Rufen versuchen sie es zusätzlich in (erbärmlichem) Englisch. Und das in einer Gegend, in der zahlreiche Yachten mit nicht oder nur wenig französisch sprechender Crew unterwegs sind und vielleicht helfen könnten...

Moorea

Im Norden der Baie Opunohu von Moorea kann man wieder einmal das Gruppenverhalten beim Ankerplatzsuchen studieren: Dort, wo schon wer ankert, da muss es gut sein. Also suchen auch wir uns einen Fleck Sand am beliebtesten Ankerplatz Mooreas. Die Kulisse ist toll mit freiem Blick auf die Berge der Insel und auch das Wasser ist klar und türkis. Noch idyllischer wäre es hier, wenn nicht permanent Jetskis durchs Ankerfeld brausen würden. Und Tauchboote. Und Boote mit Wasserskifahrern. Und Boote mit Wakeboardern. Und Taxiboote. Und Boote mit wie-auch-immer-das-mit-dem-Fallschirm-heißt. Dafür treffen wir wiedermal ein paar uns bekannte österreichische und ein paar uns unbekannte deutsche Segler, was uns natürlich freut.

Mit der Erkundung der Insel beginnen wir im Wasser: Wir legen die Schnorchelausrüstung an, um uns den Pass vor der Bucht anzusehen, und werden schwer enttäuscht. Vollkommene Wüste, nur einige kleinere Fische picken Algen von toten Korallenblöcken. Einzig eine riesige Moräne sorgt für Pulserhöhung.

Streichelzoos

Da die See ruhig und keine Strömung erkennbar ist packen wir die Tauchsachen und fahren ans Außenriff vor dem Ankerplatz, zu einem Dive Spot namens "Rose Garden", wo täglich bis zu vier Tauchboote gleichzeitig sind. Der muss ja gut sein, denken wir uns. Gleichzeitig mit uns trifft auch eine Tauchgruppe ein. Der Dive Master rät uns vorsichtig zu sein, denn sie würden jetzt die Haie füttern. Kaum sind wir im Wasser sehen wir schon, wie ein großer (2 - 2,5 m) Lemon Shark mit dickem Bauch die Bojenleine umkreist, gefolgt von ein paar kleineren Riffhaien. Der Hai bekommt vom Dive Master einen Fischkopf in den Rachen gestopft, verschlingt ihn gierig, dreht noch ein paar Runden (man kann beinahe einen bettelnden Hundeblick erahnen), und zieht wieder von dannen. Die wenigen anderen hier anzutreffenden Fische - Snapper, Einhornfische, kleine Riffhaie - zeigen ein deutlich anderes Verhalten als an anderen Tauchplätzen, sie folgen uns in kleinen Schwärmen, kommen sehr nah, scheinen gewohnt sein, gefüttert zu werden. Ansonsten ist die Landschaft ähnlich wie im Pass, vor allem bestehend aus toten Korallen. Sehr enttäuschend. Die Taucher im anderen Boot scheinen begeistert zu sein. Müssen sie wohl, denn für einen Haifütterungstauchgang zahlt man hier bis zu doppelt so viel wie für einen Normalen.

Im Nordwesten der Insel gibt es einen Platz an dem man mit Stachelrochen schwimmen kann, was uns mehrfach begeistert berichtet wurde. Mit unserem Dinghie brauchen wir fast eine Stunde für den Weg, und abermals sind wir im Gegensatz zu allen anderen nicht hin und weg: "Stingray World" ist leicht an den zahlreichen dort ankernden Ausflugsbooten, Tretbooten und Jetskis zu erkennen. Im hüft- bis schultertiefen Wasser stehen Horden von Touristen mit Futterbeuteln in der Hand und lassen sich von den zwar frei lebenden, aber verhaltensgestörten Stachelrochen aus der Hand fressen. Das Benehmen der Tiere ist so unnatürlich und irritierend, dass wir nach ein paar Fotos schnell wieder fahren und lieber die Stachel- und Adlerrochen, die am Ankerplatz unter unserem Boot durchschwimmen, dabei beobachten, wie sie sich von Fischen putzen lassen, Löcher in den Sand bohren, und ängstlich vor uns flüchten.

Über Wasser

Wenn es schon unter Wasser nichts zu sehen gibt, dann vielleicht an Land. Zwei Tage laufen wir über die Insel, durch die Täler, über die Berge, verirren uns in Ananas-Plantagen und in von archäologischen Städten vollgestopften Wäldern. Sehr schön, wir sind mit der Insel wieder versöhnt. Aber es rächt sich auch, denn am dritten Tag können wir unsere Seglerbeine kaum noch bewegen.

Kategorie: Reise | Tags: Franzoesisch Polynesien

Tuamotus

22.06.2011 - 25.07.2011

Die Tuamotus sind ein zu Französisch Polynesien gehörender Archipel von Atollen - ringförmige, von Korallen gebildeten Riffe mit Durchmessern von mehreren Kilometern. Sie sind von See kommend erst aus kurzer Entfernung, entweder an den am Riff brechenden Wellen oder an den mit Kokospalmen bewachsenen, nur knapp aus dem Meer schauenden Inselchen, den Motus, zu erkennen. GPS mit akuraten Seekarten und Radar sind hier, besonders in der Nacht, eine große Hilfe. Nicht ohne Grund haben die Tuamotus den Beinamen "Die Gefährlichen Inseln".

Nur an wenigen Stellen im Riff befinden sich Pässe, Einschnitte, die tief genug sind, um einem Schiff die Passage in die Lagunen zu ermöglichen. Leider nehmen auch Ebbe und Flut jene Pässe, gutes Timing der Passage ist also wichtig, da einem sonst das Wasser mit bis zu 10 Knoten und wilden Stromschnellen entgegen kommt.

Kauehi

Im Morgengrauen des fünften Tages auf See tauchen planmäßig Kauehis östliche Motus in drei Seemeilen Entfernung am Radarschirm auf. Wir schaffen es gerade noch, das Großsegel herunterzuziehen, bevor uns ein Squall mit Starkwind und Unmengen von Regen eindeckt, dann dümpeln wir in der darauf folgenden Flaute Richtung Einfahrt. Das Horoskop sagt Stillwasser in dem im Südwesten des Atolls gelegenen Passe Arikitamiro für 8 Uhr lokaler Zeit voraus. Wir sind pünktlich. Das Stillwasser nicht. Doch mit den ein bis zwei Knoten ausgehender Strömung wird auch unser Motor fertig.

Nach der Querung des Atolls fällt der Anker vor dem Dorf Teavero. Doch er hält nicht. Wir wollen neu ankern, doch nun will der Anker nicht wieder rauf. Durch das klare Wasser ist zu erkennen, dass er an einem Kabel festhängt, das natürlich nicht in der Seekarte verzeichnet ist. Anker runter, Anker rauf, vorwärts fahren, rückwärts fahren - hilft alles nichts. David legt die Schnorchelausrüstung an, schwimmt zum Bug, doch da ist das Schiff schon auf Drift gegangen, hat sich der Anker schon von selbst befreit. Na gut, neues Manöver an einem anderen Platz, und diesmal hält der Anker.

Das Dorf hat alles, was ein Dorf so braucht: Kirche, Friedhof, Geschäfte, Temposchwellen, Feuerwehr, Flughafen.

Rund um die aus der Tiefe der Lagune ragenden Korallenköpfe wimmelt es von Getier, von klein bis groß, von grau bis bunt, von Seegurke bis Hai. Das Riff in Dorfnähe sieht allerdings eher wie ein Schlachtfeld aus, Unmengen von Bénitier-Muschelschalen liegen am Grund, Löcher klaffen in den Korallen, wo die in sie eingewachsene Muscheln herausgebrochen wurden. Sie scheinen leider zu gut zu schmecken.

Fakarava

Kurz vor Sonnenaufgang steuern wir auf die Leuchtfeuer des Passe Garuae, des Nordpasses von Fakarava, zu um diesen gegen Ende des einlaufenden Stroms zu passieren und dann bei Tageslicht die Lagune Richtung Süden zu queren. Doch je näher wir kommen, desto weniger Fahrt über Grund zeigt das GPS an. Wir können uns bis auf eine halbe Meile annähern, dann geht nichts mehr, wir treten auf der Stelle. Anscheinend drückt Schwell aus Süden jede Menge Wasser über das Riff in die Lagune. Die nächste Stromkenterung ist in frühestens 6 Stunden. Wir drehen um, drehen bei, und warten. Irgendwann zieht etwas schnaufend hinter dem Heck vorbei. Zuerst halten wir die Tiere für Delfine. Doch als sie umkehren, um aus nächster Nähe unseren Propeller zu inspizieren, sehen wir, dass sie mehr als halb so lang wie unser Schiff sind. Vielleicht zwei Schnabelwale.

Wir nähern uns erneut dem Pass, diesmal bei Tageslicht. Überall brechende Kreuzseen, unterbrochen von vollkommen wellenfreien Flächen, wo Wasser turbulent an die Oberfläche gedrückt wird und das Boot im Kreis dreht - Erinnerungen an die Schleusen des Panamakanals werden wach. Wir kommen nicht einmal so nah heran wie beim ersten Mal, noch immer strömt es aus der Lagune ins Meer. Wir warten weiter. Eine Stunde später der nächste Versuch. Und diesmal klappt es, nur noch drei Knoten Strom stehen gegen uns, und langsam schaukeln wir ins Atoll. Sobald wir drinnen sind, ist der Spuk vorbei - das Wasser ist ruhig, strömungsfrei, doch es ist zu spät, um in den Süden zu fahren, und der Anker fällt für eine Nacht vor dem Hauptort Rotoava.

Früh am Morgen brechen wir auf, um die knapp 30 Seemeilen zum Südpass innerhalb des Atolls entlang des östlichen Riffs zurückzulegen und dann gutes Licht zum Ankerplatz suchen zu haben. Doch irgendwo auf halber Strecke gefällt es uns auf einmal - kein Dorf, keine anderen Boote, nur etwas Sand und viele Palmen. Wir fahren dicht ans Ufer, suchen uns eine seichte Stelle (12 m), ankern, und hängen ein paar Tage ab, es ist ohnehin Schlechtwetter angesagt. In Regenpausen fahren wir an Land zum Kokosnuss-Sammeln.

Schließlich geht es weiter zum Südpass, Passe Tumakohua. Zunächst halten wir uns an die allgemeine Regel: wo andere Yachten schon ankerten, dort muss es gut zu ankern sein, und hängen uns hinter die Riffe westlich des Passes. Später erfahren wir, dass dies ein Naturschutzgebiet ist, Ankern verboten. Also verlegen wir uns näher zum Dorf am angeblich schönsten Pass der Tuamotus.

Der Anker fällt, die Kette rasselt hinunter ins kristallklare Wasser, und schon umkreisen uns zahlreiche Schwarzspitzen-Riffhaie, ebenso ein großer Schwarm Einhornfische. Wir fahren mit dem Dinghie und Schnorchelausrüstung zum Pass und lassen uns vom einlaufenden Strom in die Lagune spülen. Voll das Aquarium. Wir bekommen Lust auf mehr und gehen zum örtlichen Dive Shop, denn ohne Ortskenntniss und ohne Begleitboot mit starkem Motor ist das Tauchen in den strömungstarken Pässen nicht zu empfehlen.

Der erste Tauchgang startet mitten im Pass. Mit der Strömung geht es ein Stück Richtung Meer, mit einer sich in Ufernähe bildenden Gegenströmung wieder zurück zum Ausgangspunkt. In zwanzig Metern Tiefe ziehen dutzende Graue Riffhaie an uns vorbei. Beim zweiten Tauchgang fahren wir mit dem Boot hinaus aufs offene Meer, sinken ins bodenlose Blau hinab und lassen uns von einer sanften Strömung in die Lagune tragen. In etwa dreißig Metern Tiefe verharren hunderte Grouper (unser Guide meint 3.000 - wir widersprechen nicht), die sich zu einer Vollmondorgie verabredet haben. Jede Menge Haie, Barrakudas und diverse Rifffische in allen Farben und Formen gibt es im Überfluss zu sehen.

Auch im Nordpass soll es gut zu Tauchen sein, also fahren wir wieder zurück nach Rotoava. Der erste Tauchgang ist quasi zum Aufwärmen, wir schwimmen eine Weile parallel zum Aussenriff - dutzende Graue Riffhaie usw. Dann wird es ernst. Das Wasser strömt mit voller Kraft in die Lagune. Es geht hinaus aufs Meer, hinab ins Blaue, und plötzlich taucht eine Wand vor uns auf - das Riff, sehr schnell näherkommend. Wir krallen uns an den Felsen fest, um die Aussicht zu genießen. Leider gibt es heute nichts zu sehen. Dann lassen wir los und fliegen dahin. Eine Zwischenlandung erfolgt an einem Platz namens "Ali Baba" inmitten von Schwärmen von Snappern, Bigeyes und vereinzelten Haien. Dann steigen wir wieder auf und treiben schneller und immer schneller werdend in die Lagune. Und schon ist es wieder Zeit zum Auftauchen.

Zwischendurch betreiben wir Passiv-Sport, sehen den Einheimischen bei einer Pirogue-Regatta und beim Speerwerfen zu (Ziel bei letzterem ist es, eine an einer hohen Stange befestigte Kokosnuss zu treffen), und lassen uns von Günther, einem ausgewanderten Deutschen, durch seine Perlfarm führen.

Rangiroa

Wieder ein Atoll, diesmal das größte der Tuamotus, wieder ein Pass zu queren, Passe de Tiputa. Dieser ist deutlich schmäler als die bisherigen, und es kommt ein weiterer Spaßfaktor dazu - drei Meter Wellen, genau auf den Pass zu. Dafür auch kräftiger Wind. Der Motor ist bei den Bedingungen nutzlos, also werden wir in den Pass segeln. Wir nähern uns und hoffen auf Stillwasser. Links und rechts von uns türmen sich die Wellen auf, große Brecher rollen an den Seiten, im Pass brechen die Wellen auch, aber in kleineren Abständen. Offensichtlich läuft noch ein wenig Strömung aus. Es ist sehr schwierig, das Boot auf Kurs zu halten, da es dauernd Wellen absurft und erklimmt, und die Einfahrt sieht wirklich nicht breit aus...einfach nur gerade aus sehen...einfach nur gerade aus sehen...nicht zurückblicken...und schon sind wir durch.

Um 8 Uhr morgens besteigen wir ein Schnellboot, es geht wieder hinaus, durch den Passe de Tiputa aufs offene Meer. Der Wind hat über Nacht nicht abgenommen, die Wellen noch etwas zugelegt. Im Pass herscht auslaufende Strömung, die die Wellen noch steiler, die Brecher noch häufiger werden lässt. Der Rudergänger fährt konzentriert, doch immer wieder ist eine Welle besonders steil, und wir fallen hinab ins Tal, der Aufprall ist hart, das Boot kracht und zittert. Dann erstirbt der Motorenlärm, wir können nun die tosende Brandung noch deutlicher hören. 3...2...1...wir stürzen aus dem Boot, sinken tiefer, immer tiefer, und auf einmal ist alles ruhig. Plötzlich schießt ein Schatten an uns vorbei. Dann noch einer. Sie kehren um. Haie? Nein, Delfine! Fünf oder sechs von ihnen schwimmen um uns herum, schleichen sich immer wieder an, und bei einem scheint es, als ob er mit einer Mittaucherin tanze.

Die weiteren Tauchgänge, sowohl im Passe de Tiputa, als auch im etwas weiter westlich gelegenen Passe D'Avatoru, sind weniger spektakulär, aber ebenfalls wunderschön - unter anderem treffen wir auf einen relativ großen Silvertip Shark, riesige Schwärme von riesigen Barrakudas und Big Eye Jacks, und beim letzten Tauchgang sogar auf drei Segelfische.

Da es außer Tauchen auf Rangiroa nichts interessantes zu tun gibt und wir uns nach leistbarem Gemüse sehnen, nehmen wir nach ein paar schönen Tagen die 200 Seemeilen nach Tahiti in Angriff.

Kategorie: Reise | Tags: Franzoesisch Polynesien

Marquesas West

01.06.2011 - 22.06.2011

Ua Pou

Diese Insel hat angeblich die spektakulärsten Felsformationen der Marquesas zu bieten, welche wir allerdings dank der Regenwolken nicht sehen. Zumindest in den ersten Tagen nicht. Dafür schaffen wir es nach etlichen Fehlschlägen, an Baguette zu kommen. Denn zunächst ist einmal Wochenende. Dann ein Feiertag. Dann sind die Geschäfte wieder offen, Baguette aber ab 7 Uhr ausverkauft. Doch man kann reservieren.

Im Dorf Hakahau, dem Hauptort der Insel, in dessen Hafen wir ankern, stehen etliche Mangobäume. Bisher haben wir es auf den Marquesas noch nicht geschafft, Mangos zu bekommen, entweder waren sie noch nicht reif, oder bereits aufgegessen. Bei einem Spaziergang fragen wir daher bei einem Haus, vor dem gerade die Bewohner sitzen, hoffnungsvoll, ob sie denn welche hätten. Marie-Yvonne, die Frau des Hauses, hat leider auch keine. Während sie uns das erklärt, schwärmt der Rest der Familie schon im Garten aus und kommt mit einem Sack süßer, aromatischer Sternfrüchte, einer Wassermelone und einer Ananas zurück. Dann werden wir für 16 Uhr zum Kai bestellt, Marie-Yvonne wolle versuchen, Mangos zu finden, und auch noch gleich Pampelmusen besorgen. Fast pünktlich fährt die gesamte Familie in einem der allgegenwärtigen Pickups vor. Mangos gäbe es leider keine. Aber dafür 16 Pampelmusen. Ob wir Bananen auch noch wollen? Danke, das ist mehr als genug. Und all das gibt es geschenkt, unsere Handelswaren werden wir wieder nicht los. Das ist ein Beispiel der großartigen Gastfreundschaft und kein Einzelfall, weshalb wir mittlerweile Hemmungen haben nach Mangos zu fragen.

Am Samstag organisiert der örtliche Pétanque-Verein (wir sind in Frankreich...) eine Abendveranstaltung. Angekündigt sind Büffet mit lokalen Gerichten, traditionelle Tanzdarbietungen und Livemusik. Wir reservieren uns natürlich einen Platz in der Hoffnung auf Spektakuläres. Während wir Stunden auf die Eröffnung des Büffets warten spielt eine Liveband einen furchtbaren Musikmix aus marquesisch interpretierten amerikanischen Oldies. Das Essen (Poisson Cru (Salat mit rohem Fisch und Kokosmilch) - hervorragend; Ziegencurry - damit muss man wohl aufgewachsen sein) ist dann im Nu vorbei, die traditionelle Tanzdarbietung fällt diesmal leider aus. Dann wird eben nur so zu Musik aus der Konserve getanzt. Zunächst nur die kleinen Kinder und Erwachsenen, im Laufe der Nacht stoßen immer mehr Jugendliche dazu. Darunter die schönsten Frauen des Dorfes, die eigentlich Männer sind, ein hier sehr verbreiteter Anblick. Ansonsten ist die Musik furchtbar, das Bier teuer, also bleiben wir nicht bis zum frühen Morgen.

Das Wetter wird besser und wir gehen wandern. Diesmal nehmen wir einen Guide mit, da die Wege schwer zu finden sind. Die an sich kurze Inselquerung, von Hakahau nach Hakahetau, artet dank Jerome, einem ehemaligen französischem Soldaten, eher in ein Überlebenstraining aus: wir erfahren, welche Pflanzen wir essen können, und welche nicht; welche Kräuter bei Insektenstichen helfen; mit welchen Blättern man Kehlen durchschneiden kann; die Astgabeln welcher Bäume sich am besten zum Brechen des Genicks eignen; mit welchen Kräutern man traditionellerweise Schwiegermütter vergiftet. Ausserdem lernen wir, Körbe aus Palmwedeln zu flechten und die besten Methoden, Kokosnüsse zu schälen und zu knacken. Am Ende führt die Wanderung an einem romantischen Wasserfall vorbei, Manfred Cascade, in dem wir uns vor dem Mittagessen waschen können. Beim Essen im Dorf Hakahetau erkundigen wir uns wieder nach Mangos. Das bringt uns zu den im Wald gefundenen 3 Papayas, 6 Guaven, Chilischoten, Basilikum und der Kokosnuss noch 3 Pampelmusen, 4 Sternfrüchte, 2 Guaven und 15 Limetten. Aber keine Mangos...

Am nächsten Morgen läuft die Aranui, das zwischen Tahiti und den Marquesas verkehrende Fracht- und Kreuzfahrtschiff ein, und schon ist es mit dem beschaulichen Dasein im Dorf vorbei: Horden von Touristen vom Standardmodell A (Tropenkleidung über weißer oder sonnenverbrannter Haut, Spiegelreflexkamera vor dem Bauch) müssen das Beste aus der Hand voll Stunden machen, die das Schiff im Hafen liegt. Also stürmen sie die aus dem Nichts gestampften Souvenirstände, inspizieren die Supermärkte und die Kirche. Schließlich werden sie wieder in einem Restaurant zum Mittagsbuffet zusammengetrieben. Doch vor dem Essen gibt es eine kurze Tanzvorführung, und die lassen wir uns nicht entgehen.

Unserem Englisch scheint man immer noch das Österreichische anzumerken, denn während wir uns mit einem auf Ua Pou lebenden Australier unterhalten werden wir von zwei Kreuzfahrern als Landsleute erkannt. Wir fragen sie, ob sie bereits auf einem Atoll in den Tuamotus, unserem nächsten Ziel, waren:

"Ja, auf Fakarava."
"Und, wie war es?"
"Toll, super, wunderschön!"
"Wie lange wart ihr dort?"
"2 Stunden."
"..."

Nuku Hiva

Die 25 Seemeilen zwischen Ua Pou und Nuku Hiva nutzen wir und die zur gleichen Zeit aufgebrochene SY Ri Ri, um bei bestem Segelwetter Fotos vom jeweils anderen Boot zu machen.

Der erste Ankerplatz ist die hervorragend geschützte Bucht Hakatea, in amerikanischen Seglerkreisen bekannt als "Daniel's Bay", so genannt, da hier einmal jemand namens Daniel gewohnt hat. Jetzt wohnt niemand mehr hier. Mit dem Dinghie geht es in die Nachbarbucht, durch brechende Wellen in einen kleinen Fluss, dem wir zu Fuß einige Kilometer folgen, bis zum mit 350 Metern dritthöchsten Wasserfall der Welt. Klingt wesentlich spektakulärer, als es aussieht: Durch die engen Schluchten ist immer nur ein Teil des Wasserfalls zu erkennen, im Becken darunter schwimmend überhaupt nur die letzten 15 Meter. Dort ist es allerdings nicht ganz ungefährlich, da Regen und Ziegen für Steinschlag sorgen. Ob die von Unbekannten dort deponierten Baustellenhelme uns davor Schutz bieten? Wir wissen es nicht. Wenigstens sehen wir damit doof aus.

Der letzte Halt ist Taiohae, die größte "Stadt" der Marquesas. Gemeinsam mit der Crew der SY Anna X mieten wir ein Auto, um die Insel zu erkunden. Der Abwechslungsreichtum der Landschaft ist erstaunlich: Aus der mittlerweile zur Normalität gewordenen tropischen Vegetationszone geht es aufs Hochplateau, wo wir uns in die Voralpen versetzt vorkommen: Nadelbäume, Almwiesen, Kühe mit Kuhglocken, Bananenstauden. Weiter über den nächsten Pass in den Westen kommen wir in die Terre Desserte - Grand Canyon im Kleinformat. Schließlich geht es noch in den Nordosten, wieder tropisch grün, und gespickt mit archäologischen Stätten voller Pae Pae (Steinplattformen) und Tikis (Steinfiguren).

Schon lange angekündigt ist die lange Nacht der Musik von Taiohae. Leider beginnt sie erst einmal mit Karaoke. Darauf folgt eine Band mit guter Rockmusik. Eine Tanzgruppe zeigt dazu zwei polynesische Tänze mit moderner Choreographie. Leider verfällt die Band anschließend in einen Standardhochzeitskapellenoldiemodus, und wir ergreifen die Flucht.

So schön die Marquesas auch sind, wieder einmal sehnen wir uns nach blauem Wasser, Schnorcheln und Tauchen, daher wollen wir weitersegeln, in die Atolle der Tuamotus. Aber auch noch nicht so sehr, dass wir bei Starkwind, der nur wenige Tage anhalten soll, unbedingt raus müssen. Also warten wir noch ein wenig ab, dann holen wir die Anker aus dem Schlamm und setzen Kurs auf Kauehi.

Kategorie: Reise | Tags: Franzoesisch Polynesien

Marquesas Ost

09.05.2011 - 31.05.2011

Fatu Hiva

Wir ankern in der Penisbucht (siehe letzter Artikel) der Insel Fatu Hiva. Was für ein Unterschied zu den letzten Wochen auf See: Grün, felsig, regnerisch. Nachdem wir endlich wieder einmal mehr als vier Stunden am Stück geschlafen haben begeben wir uns ins Dinghie, um das kleine Dorf Hanavave zu erkunden. Doch zunächst der Schock - so furchtbar hat unser Rumpf noch nie ausgesehen: Zentimeterlange Algenfäden hängen an der Wasserlinie, am Heck ist kaum ein Quadratzentimeter frei von Entenmuscheln. Unter Wasser hält sich der Bewuchs zum Glück noch in Grenzen. Wie wir mit der Zeit herausfinden ist dieser Bewuchs das Erkennungszeichen eines jeden Schiffes, das gerade die Passage hinter sich gebracht hat.

An Land stellen wir fest, dass wir das Gehen nicht verlernt haben, und nutzen dies gleich für ein paar Wanderungen aus, unter anderem zu einem im Wald versteckten Wasserfall.

Im Dorf, das für viele Segler der erste Stopp nach Galapagos ist (an sich illegalerweise, da es kein Port of Entry ist), gibt es keine Bank, um an die lokale Währung, Francs Pacifique, zu kommen. Macht aber nichts, denn Tauschhandel zwischen Einheimischen und Seglern hat hier seit Jahrhunderten Tradition. Altes Tauwerk (sehr begehrt), eine Baseballkappe, eine Regenjacke und Babykleidung verschaffen uns Bananen, Pampelmusen, Limetten, Eier, Huhn und Schmuck. Die Kontaktaufnahme zu den Einheimischen ist uns noch nie so schwer wie hier gefallen, da wir weder Französisch noch den lokalen polynesischen Dialekt sprechen. Ab und zu spricht jemand ein paar Worte Englisch (vor allem Kinder - und die mit großer Begeisterung), aber sonst sind wir auf unser Wörterbuch und Gesten angewiesen. Das ist mühsam und frustrierend, weshalb wir schnell ein paar französische Phrasen einstudieren - "Ich suche Obst." - "Wollen Sie tauschen?" - "Ich spreche nicht Französisch." Das nach dem Weg fragen klappt schon perfekt. Wenn wir nun auch noch die Antworten verstehen würden...

An mehreren Tagen in der Woche probt die örtliche Tanztruppe ihre Nummern für die in den nächsten Monaten anstehenden Feierlichkeiten. Die Trommler sind schon ganz gut, aber die Tänzer und -innen haben noch viel, viel Arbeit vor sich. Nur die im schnellen Rhythmus schwingenden Hüften fordern uns Respekt ab.

Zur Erfrischung springt Sonja täglich ins Wasser - nur am letzten Tag nicht. Da hat sie nämlich zuerst ins Wasser geschaut und zwei Wasserschlangen neben dem Boot entdeckt.

Hiva Oa

Weiter geht es nach Atuona auf Hiva Oa, einen der beiden Häfen, in denen man einklarieren kann (auch nur provisorisch, denn eigentlich geht es nur auf Tahiti, was auch immer...). Der Hafen ist, wie die meisten Ankerplätze der Inselgruppe, nicht erste Wahl: Klein und nur teilweise durch einen Wellenbrecher vor Schwell geschützt, das Wasser trüb und voller Haie, und kommt eines der beiden Frachtschiffe wird es noch enger, als es bereits ist. Es wird mit Bug- und Heckanker geankert um das Boot in Richtung einlaufender Wellen auszurichten, sowie um Platz zu sparen. Unsere Version des Manövers ist nicht nur in der Theorie einfach: Heckanker hinten raus werfen, langsam nach vorne fahren und dabei Leine fieren, Anker einfahren nicht vergessen. Dann Buganker werfen, Kette rauslassen und gleichzeitig die Heckleine wieder hereinkurbeln bis man in der Mitte ist, Buganker einfahren. Fertig. (Heißer Tipp: Eine Boje am Heckanker markiert diesen nicht nur, sondern erleichtert das Bergen immens.)

Vom Hafen in die "Stadt" ist es ein längerer Fußmarsch, den man durch Autostopp abkürzen kann. Jeder nimmt hier jeden anstaltslos mit, auch wenn die Schuhe noch so gatschig sind. Im Dorf gibt es dann ein paar Geschäfte wo wir nach dem Einkauf von Baguette, Käse und Nutella (Nutella! Nutella!!!) im siebten Himmel sind und schnell zur Verkostung wieder aufs Boot wollen... Außerdem besuchen wir das Gaugin-Museum, in dem es aber nur Kopien zu sehen gibt, die nicht wirklich begeistern. Das Artesanat, die Verkaufshalle für die lokalen Kunstprodukte wie Holzschnitzereien, Knochenschnitzereien und Schmuck aus Pflanzensamen, ist geschlossen, da alles Geschnitzte gerade in Pape´ete bei einer Austellung ist. Schade.

Im Reiseführer steht, dass im Tal hinter dem Ankerplatz Petroglyphen (antike Steingravuren) zu sehen sind. Diese gehen wir suchen, was ohne Wegbeschreibung abenteuerlich ist. Schließlich entdecken wir irgendwo im Wald einen Felsen, auf dem irgendetwas eingraviert ist und freuen uns. Nebenbei füllen wir unserer Rucksäcke mit Limetten und Chilischoten, die wild wachsen. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Geräusche der wilden Tiere des Waldes fernab jeder Zivilisation: Hühner gackern und Hähne krähen. Nach der erfolgreichen Expedition werden wir übermütig und beschließen, ein Tiki (Steinfigur) zu suchen, welches ganz in der Nähe sein soll. Dazu marschieren wir die Straße entlang, geben aber nach einer Stunde auf und stoppen Auto. Wir werden mit einem freundlichen Lächeln bei einem mit Stacheldraht versperrtem Feldweg abgesetzt, kilometerweit weg von irgendwo. Na dann. Ein paar verschlungene, überwucherte Pfade später entdecken wir das "Smiling Tiki" auf einer Lichtung und - lachen.

Tahuata

Einmal kurz ums Eck zur nächsten Insel, Tahuata, in die Bucht Hanemoenoa, und alles ist ganz anders: Jede Menge Platz, Sonne statt Regen, und klares Wasser. Morgens umkreisen Mantas unser Boot, begutachten unsere über Bord gegangenen Pampelmusenschalen, und reagieren auch nicht verschreckt, wenn man im Pyjama mit Taucherbrille neben ihnen ins Wasser springt. Am Rande der Bucht soll es zum Schnorcheln gut sein, was wir aber leider nicht bestätigen können. Kaum Fische sind unterwegs, nur ein kleiner Hai und ein Adlerrochen.

Gemeinsam mit Helmut und Annemarie von der SY Anna X fahren wir im Beibootkonvoi ins Nachbadorf Vaitahu, beladen mit Tauschgütern, um frisches Obst zu erhandeln. Doch leider wird daraus nichts, denn wir bekommen Bananen und Pampelmusen einfach geschenkt.

Wir wollen noch das weiter südlich gelegene Dorf Hapatoni besuchen und gehen Anker auf. Doch in der Bucht kommen uns Fallböen mit 40 Knoten entgegen, dazwischen fast Windstille. Kein gemütlicher Ankerplatz, wir kehren um und segeln zur Nordseite von Hiva Oa. Unterwegs springt ein riesiger Manta vor unserem Boot aus dem Wasser, wodurch wir kurzzeitig etwas aus der Fassung geraten.

Noch mal Hiva Oa

In der Bucht Hanamenu an der Nordseite Hiva Oas ist die Landschaft wieder komplett anders, wie mitten im Grand Canyon. Ein hübsch hergerichteter Badeteich an Land lädt zum Waschen mit erfrischendem Süßwasser ein. Leider macht die starke Brandung beim Ablegen vom Strand den Effekt wieder zunichte.

Da viele Segler eine ähnliche Route wie wir haben treffen wir auch immer wieder bekannte Boote, was zur Abwechslung sehr nett ist. In Hanamenu zum Beispiel kennen wir nur die SY Karinya nicht, was sich aber sofort ändert, da uns Kay und Don zum Sundowner einladen.

Weiter geht es in die weiter östlich gelegene Bucht Hanaiapa, wo wieder ein wenig herumgewandert wird, nämlich in die Nachbarbucht Hanatekuua. Die Landschaft ist trocken, es gibt kaum Unterwuchs und an vielen Bäumen ist die Rinde abgefressen. Wir lasten diese Zustände der zu gut gedeihenden Ziegenpopulation an.

Kategorie: Reise | Tags: Franzoesisch Polynesien
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Letzte Position

Whangarei Marina / Whangarei / New Zealand
31.01.2012 00:00:00
35°43,4'S 174°19,5'E

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