Panamakanal

12.12.2010 - 13.12.2010

Ja, wir sind Weicheier. Warmduscher (im äußerst seltenen Fall, dass es irgendwo Duschen mit Warmwasser gibt). Kap-Hoorn-Verweigerer. Panamakanalfahrer.

Vorbereitung

Die Crew: Christie, David, Sonja, Olga, Jany.

Wir bereiten uns auf die Kanaldurchfahrt vor. Die Sewasserpumpe des Motors bekommt neue Wellendichtungen, da die Bilge wegen einer defekten seit ein paar Tagen mit Kühlwasser vollläuft. Wir schnallen den Windgenerator fest und polstern das Solarpanel ab, damit die in den Schleusen durch die Luft geworfenen Leinen keinen Schaden anrichten können.

Die vorgeschriebenen Festmacherleinen (4 x 40 m, Durchmesser mindestens 2.25 cm) mieten wir von Tito, einem Agenten, ebenso fünf Reifen als Zusatzfender. Drei weitere Reifen bekommen wir von einer Yacht, die gerade aus dem Pazifik angekommen ist. Weiters ist vorgeschrieben, dass die Crew aus mindestens fünf Mitgliedern besteht: Eine Person am Steuer, vier Personen, die sogenannten Linehandler, um die Festmacher während des Schleusens zu bedienen. Linehandler kann man auch mieten, wir finden aber drei Segler, die für Kost und Logis und der Erfahrung wegen mitfahren: Jany, Christie und Olga.

Aus dem ursprünglichen Freitagstermin wird, trotz zusage am Donnerstag Abend, dann doch nichts. Es befinde sich vom Hochwasser noch zu viel Treibgut im Kanal, so dass kleine Schiffe frühestens am Sonntag drankommen.

Erster Tag

Es geht aufwärts.

Am Sonntag morgen erhalten wir den endgültigen Termin: Um 15:00 haben wir im Hafen von Christobal auf Ankerplatz F, "The Flats" genannt, zu sein, um den von der Kanalbehörde gestellte Advisor (Lotse-für-Arme) an Bord zu nehmen, denn ohne darf man nicht durch den Kanal. Punkt 15:40 kommt der Advisor, Enrique, wir rasen auf die atlantikseitigen Gatun-Schleusen los, und kommen zu spät zu unserem Schleusentermin. Also drehen wir Runden, bis ein Frachtschiff kommt, dass klein genug ist, damit hinter ihm in der Schleuse noch Platz genug für uns ist.

Olga und Christie, dazwischen unser Advisor. Das Tor schließt sich hinter uns.

In der Hochsaison werden manchmal sechs Yachten, in zwei Dreier-Päckchen zusammengeschnürt, gleichzeitig hinter einem Frachtschiff geschleust. Wir sind alleine, also hat jeder unserer Linehandler alle Hände voll zu tun. In der ersten Schleuse angekommen werden uns Pilotleinen zugeworfen, an die wir die Festmacher knoten, welche hochgezogen und auf Pollern belegt werden. Das Schleusentor schließt sich, das Wasser beginnt unter heftigen Turbulenzen einzuströmen, und wir steigen. Die Linehandler müssen die Festmacher ständig anholen, um das Boot zentriert zu halten. Wenn das Wasser fertig eingeströmt ist öffnen sich die vorderen Schleusentore, und das vor uns liegende Frachtschiff fährt in die nächste Kammer, mit seinen Propellern gefährliche Wirbel erzeugend. Sobald sich das Wasser etwas beruhigt hat fahren auch wir weiter, und das ganze Spiel geht von vorne los, in den Gatun-Schluesen insgesamt drei mal. Nur in der zweiten Schleuse wird es kurz kritisch: Wir lösen unsere Festmacher zu früh und schon drückt uns eine Turbulenz zur Seite. Erst als alle Leinen an Bord geholt sind, kann die Steuerfrau Gas geben und das Boot wieder unter Kontrolle bringen, die Mauer wird nicht von uns beschädigt.

Vier Stunden später erreichen wir den Gatunsee, in dem wir uns für die Nacht an einer Boje festbinden. Der Advisor geht von Bord, und wir können uns ausruhen. Bis 06:00 am nächsten Morgen, denn dann soll es weiter gehen.

Zweiter Tag

Tag 2: Es regnet im Gatun-See.

Um 07:10 kommt das Lotsenboot mit dem Advisor, einem anderen als am Vortag, namens Ahmet, und wir fahren los. Es geht, teilweise im Regen, durch den Gatunsee, vorbei an Gamboa und durch den Culebra Cut zur einstufigen Pedro-Miguel-Schleuse. Die Fahrt dauert etwa fünf Stunden und ist ziemlich unspektakulär.

Pedro-Miguel-Schleuse.

Diesmal wird ein großes Frachtschiff von sechs Mules, den Zugmaschinen, hinter uns in die Schleusenkammer manövriert. Das dauert. Und irgendwann beginnt, ohne irgendein Signal, der Wasserspiegel erstaunlich schnell abzusinken. Die Linehandler müssen jetzt nur möglichst koordiniert Leine nachgeben um das Boot zentriert zu halten. Sobald das Wasser nicht mehr absinkt öffnen sich die Tore, wir lösen unsere Festmacher und fahren - diesmal ohne Turbulenzen - aus der Kammer.

Bahn frei in den Pazifik!

Nach der Durchquerung des kleinen Miraflores-Sees warten noch die zwei Stufen der Miraflores-Schleusen. Das letzte Tor öffnet sich, und wir befinden uns in einem neuen Ozean. Fast. Denn immer noch sind etwa fünf Meilen bis zur offenen See zu fahren. Kurz vor der Amerika-Brücke (Puente de Las Americas) verlässt uns der Advisor, wir fahren weiter zum Ankerplatz Las Brisas hinter dem Amador-Wellenbrecher, und legen uns zwischen die dutzenden anderen dort ankernden Yachten.

Da es schon später Nachmittag und das Wetter nass und windig ist, beschließen unsere Gäste noch eine Nacht zu bleiben. Wir freuen uns über französisches Omelette, nette Gesellschaft und darüber, bei dem Wetter nicht mehr das Dinghy aufblasen zu müssen.

Fazit

Kanal nicht beschädigt. Boot nicht beschädigt. Alles gut. Yeah.

Literatur

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Panama Panamakanal Pazifik

Am Kanal

01.12.2010 - 11.12.2010

In den Pedro Miguel Locks.

Unser Schiff sei nicht für den Panamakanal geeignet, teilt uns der Vermesser der Kanalbehörde am Samstag mit: Die Klampen und Klüsen entsprächen nicht den Anforderungen des Kanals. Die Leinen hätten eine zu geringe Bruchlast. Der Motor sei nicht stark genug. Und das Boot würde durch die Lotsenboote beschädigt werden. Aber unser Kaffee schmecke ihm. Das unterschreiben wir (außer das mit dem Kaffee), und noch einen Haufen weitere Formulare, und schon dürfen wir am Montag morgen mit USD 1.500 in bar nach Colon, um für unsere Kanaldurchquerung zu bezahlen (USD 650 Gebühren, USD 850 Kaution, falls wir den Kanal beschädigen oder so).

Einen Durchfahrtstermin erhalten wir gleich für den kommenden Freitag. Mittwoch wird der Kanal erstmals seit seiner Eröffnung vor fast hundert Jahrenwegen zu viel Regen gesperrt. Am Donnerstag Morgen wissen die Behörden noch immer nicht, ob wir fahren dürfen, denn es treibt zu viel Wald im Kanal . Am Donnerstag Abend meinen sie, wir dürfen. Mal schaun...

Sei live dabei!

Wenn alles klappt werden wir am Freitag irgendwann zwischen 14:00 und 20:00 (20:00 und 02:00 MEZ) durch die atlantikseitigen Gatun-Schleusen fahren, auf dem Gatun-See übernachten, am nächsten Morgen den Kanal durchfahren und dann irgendwann zwischen 11:00 und 16:00 (17:00 und 22:00 MEZ) durch die am anderen Ende gelegenen Pedro-Miguel- und Miraflores-Schleusen einen neuen Ozean, den Pazifik, erreichen. Ungefähr so .

Mitschauen kann man bei den offiziellen Webcams

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Panama Panamakanal

Rio Chagres

20.11.2010 - 30.11.2010

Nach 4 1/2 Wochen Aufenthalt verlassen wir Portobelo. Der Anker lässt sich nur mit viel Gewalt aus dem Schlamm ziehen, und der Teil der Kette, der nicht vergraben war, ist wieder einmal zur Muschelzucht geworden. Aber der Bewuchs am Rumpf und vor allem am Propeller dürfte nicht all zu schlimm sein, wir kommen, zunächst unter Motor, und dann, als Wind aufkommt unter Segeln, gut voran.

Einfahrt zum Rio Chagres. Links ist Fort San Lorenzo zu sehen, rechts ist das Lajas Riff nicht zu sehen.

Es geht nach Westen, vorbei an Colon und der Einfahrt zum Panamakanal, quer durchs Ankerfeld der Großschiffe. Danach biegen wir links Richtung Urwald ab, passieren unbeschadet die Meerenge zwischen Scylla und Charybdis Fort San Lorenzo und dem Lajas Riff, und sind in einer anderen Welt: keine Wellen, kein Wind, keine Schiffe, nur Affen, Krokodile, Einhörner, Vögel, Schmetterlinge und jede Menge Bäume.

Krokodil.

Zunächst ankern wir zwei Meilen stromaufwärts nach der ersten Flussbiegung. Der Versuch der Erstürmung von Fort San Lorenzo schlägt leider fehl: Am Dock, von dem aus man die Wanderung zum Fort aus starten kann, treffen sich hoher vom Meer kommender Schwell und Strömung des Flusses, wodurch wir nicht anlanden können.

Es geht weiter flussaufwärts. Mantelbrüllaffe.

Nach ein paar sehr einsamen und erholsamen Tagen fahren wir den Fluss weitere fünf Meilen hinauf, bis fast zum Damm, hinter dem der Gatunsee liegt, und ankern in einem kleinen Nebenarm ohne Strömung. Die atlantikseitigen Schleusen des Panamakanals, die Gatun Locks, und der Gatun-Damm sind von dort aus zu Fuß schnell erreicht. Auch durch den Dschungel kann man hier wandern und Horden von Affen dabei beobachten, wie sie das tun, was Horden von Affen eben tun. Wenn es unter Tags heiß wird lädt das kühle Süßwasser des Flusses zum Baden ein. Doch wir lassen das lieber, denn mehrere Krokodile drehen täglich ihre Runden um unser Boot.

Alarm! Alarm! Alarm!

Gatun-Damm, leicht geöffnet.

Es ist kurz vor Mitternacht, als wir unsanft aus dem Schlaf gerissen werden. Am Ufer, wenige dutzend Meter entfernt, heult eine Sirene, minutenlang. Binnen Sekunden stehen wir an Deck, zwei Zombie-Schlafwandlern mit Herzkammerflimmern zum Verwechseln ähnlich. Wir können uns denken, was das bedeutet: Es ist zu viel Wasser im Gatunsee, sie werden die Tore des Damms öffnen, um es abzulassen. In den Fluss. Bange Minuten folgen. Hoffentlich wird es nicht zu heftig. Hoffentlich hält der Anker. Hoffentlich springt der Motor an, falls wir ihn brauchen. Das ferne Rauschen wird eine Spur lauter. Im Licht des nicht mehr ganz vollen Mondes sehen wir, wie die Stromschnellen im Hauptarm des Flusses größer werden. Das Schiff beginnt, sich langsam hin und her zu drehen. Das war es. Wir können in Ruhe weiterschlafen.

Kein Alarm

Wir ankern zwecks Tapatenwechsel wieder weiter stromabwärts, taktisch klug in der Nähe dreier Seitenarme, die wir mit dem Dinghy paddelnd erkunden. Als besonderes Highlight können wir einen Tamandua, eine Ameisenbärart, beobachten. Dieser sieht zwar sehr kuschelig aus, hat aber am Hintern Drüsen, die stinkendes Sekret absondern. Er ist daher Einzelgänger. Außerdem nutzen die Mantelbrüllaffen frühmorgens das gute Echo, grüne Papageien und Tukane lassen sich sehen, und die Krokoldile sind auch hier zahlreich.

Nachdem es einige Tage ausgiebig geschüttet hat und wir gerade bei einer Partie Schach sitzen, wird es draußen plötzlich laut. Ohne weitere Vorwarnung wurde noch ein Tor im Damm geöffnet. Das Boot fängt an, von Ufer zu Ufer zu schwoien und sich im Kreis zu drehen, unter Deck klingt es, wie wenn wir unterwegs sind, denn statt mit 1/2 - 1 Knoten fließt der Fluss plötzlich mit 4 - 5, dazu gibt es heftige Turbulenzen. Das bringt auch mehr Treibgut mit sich - Äste, Baumstämme, ein aufgedunsenes, kopfloses Krokodil (sieht aus wie ein kaputtes Schlauchboot), ein kaputtes Schlauchboot (sieht aus wie ein totes Krokodil), und noch viel mehr Äste und Baumstämme.

Nach einem Tag ist der Spuk wieder vorbei, und wir können in aller Ruhe Anker auf gehen und unser nächstes Ziel ansteuern. Auf zum Panama-Kanal!

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Panama

Portobelo

19.10.2010 - 19.11.2010

Portobelo, ein verschlafenes kleines Nest in einer schönen, großen Bucht, hat seine Glanzzeit schon lange hinter sich. Nach der "Entdeckung" durch Christoph Kolumbus am 2. November 1502 wurde die Bucht lange Zeit als Hafen für die spanischen Flotte genutzt. Hier wurden die bei der Plünderung Südamerikas erbeuteten Goldschätze gelagert und verladen. Natürlich lockte das auch Prominente Nicht-Spanier, wie etwa Sir Francis Drake oder Henry Morgan an. Nur die Ruinen der fünf Befestigungsanlagen zeugen noch von der einstigen Bedeutung. Eigentlich nur noch vier, da die Steine eines Forts beim Bau des Panamakanals verwendet wurden.

Heute ist Portobelo vor allem bei Backpackern und Seglern eine beliebte Zwischenstation, letztere treffen sich morgens am lokalen Funknetz (VHF 72 @ 1400Z), beide Gruppen gemeinsam abends zur Happy Hour bei Captain Jack's ("the coldest beer in town"), wo Jack und Dennis einige Dienste, wie Transporte und Treibstoffversorgung anbieten und sich sehr bemühen, Seglern bei allfälligen Problemen zu helfen. Nebenbei werden noch soziale Aktivitäten organisiert, zum Beispiel ein Flohmarkt, bei dem wir immerhin einen unserer drei Teekessel loswerden, eine Halloweenparty, und jeden Sonntag findet ein Barbecue mit Pot-Luck (jeder bringt einen Topf mit Essen mit) statt.

Mittelalter

In Kuna Yala konnten wir beobachten, wie eine beinahe steinzeitliche Kultur rasant in die Moderne übergeht. In Portobelo kann man den umgekehrten Prozess beim jährlich stattfindenden Fest des Christo Negro studieren. Eine riesige schwarze Jesusfigur, kreuztragend, die eine ominöse Geschichte hat und für die Vertreibung einer Seuche verantwortlich gemacht wird, ist das zentrale Objekt. Aus dem ganzen Land und sogar von noch weiter her pilgern Menschen, teilweise zu Fuß, bereits einige Tage vor dem Fest nach Portobelo. Die Gemeinde ist im Ausnahmezustand: Vor jedem Haus schlagen Pilger ihr Lager auf, jeder freie Platz ist mit Imbiss- und Getränkeständen vollgestellt. Vor der großen Kirche reiht sich ein Verkaufsstand mit Rosenkränzen, Kerzen und sonstigem Religionszubehör an den anderen. Bei den Essensständen werden Berge von halb vorgegartem Fleisch (Huhn, Schwein, Fisch, ich-will-es-nicht-wissen-aber-ich-probiers-gern) portionsweise auf fettverkrusteten Kochplatten unter Beigabe von großen Mengen scharfer Soßen fertiggebraten und unter die Leute gebracht - nach unserer langen fleischlosen Zeit: köstlich!

Das Fest hat am Abend des 21. Oktobers seinen Höhepunkt: Die "Gläubigen", viele in violetten, rüschenbesetzten Kleidern, kriechen auf aufgeschundenen Knien, rutschen auf wunden Hintern oder robben auf aufgeschürften Rücken vom Dorfeingang bis zur Kirche, lassen sich teilweise dabei von "Helfern" mit Wachs aus brennenden Kerzen beträufeln. Ganz Erschöpfte werden von ihrem "Coach" angefeuert und motiviert. All das, um für "Sünden" zu "büßen", oder um für die Genesung von kranken Verwandten zu "beten" (was erwiesenermaßen nicht einmal dann sinnvoll ist, wenn man es Profis überlässt, siehe "Study of the Therapeutic Effects of Intercessory Prayer (STEP) in Cardiac Bypass Patients", American Heart Journal 2006 151(4):934-42, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11923793).

Nach einer letzten Messe wird die Christusstatue schließlich von geschätzten 50 bis 60 Männern mehrere Stunden in einer Prozession durch das Dorf getragen. Dazu gibt es Trompetenmusik und Getrommel, jede Menge Feuerwerk und Bier. Der Umzug dauert deshalb so lange, weil die Träger nicht einfach gerade von A nach B gehen, sondern sich tanzend vorwärts, seitwärts und rückwärts bewegen. Irgendwann kommen sie dann doch wieder in die Kirche zurück. Das erleben wir aber nicht mehr, da wir uns vorher deprimiert und gelangweilt zurückziehen.

Basteln

Eine Wartungsarbeit hatten wir schon ein paar Wochen vor uns her geschoben, das Reparieren des Gasherds, der immer stärker russte, aber auf herkömmliche Weise, d.h. so, wie es im Handbuch für normale Benutzer beschrieben steht, dank festgerosteter Teile nicht mehr zu zerlegen war. Doch das wollten wir, falls es länger dauert oder der Herd dabei draufgeht, doch möglichst in der Nähe von Restaurants und Bäckereien in Angriff nehmen. Wir schaffen es nicht, den Herd am Tag des Zerlegens wieder zusammenzusetzen, wollen Essen gehen, und was müssen wir feststellen: Montags sind alle Restaurants geschlossen. Zum Glück haben Taryn und Steve erbarmen mit uns, laden uns zum Essen auf ihre SY Synchronicity ein und bewahren uns so vor dem Horror von kalten Dosenravioli. Am nächsten Tag setzen wir unseren Herd wieder zusammen und feiern den Erfolg mit einem großen Stapel Palatschinken.

Der Herd funktioniert wieder, doch das notwendige Gas wird langsam knapp. Dennis von "Captain Jack's" versucht das Auffüllen zu organisieren, was aber zu einer Odyssee ausartet. Niemand hier in Panama kann oder will Flaschen mit unserem aus Großbritannien stammenden Ventil befüllen (zuletzt auf Grenada war dies kein Problem). Doch wenn genug Segler zusammen kommen findet sich immer irgendeine Lösung, hier vor allem dank Greg von SY Dutch Dreamer: Mehrere Schläuche von unterschiedlichen Durchmessern, ein paar Schlauchadapter, zahlreiche Schlauchklemmen, ein aufgebohrter Druckregler, eine Waage, Teile der Gasanlage unseres Schiffes und ein Stück Seil, fertig ist die Tankstelle. Dont't try this at home...

Krankenstand

Wieder einmal bleiben wir an einem Ort länger als geplant. Doch nicht wie an anderen Orten, weil es uns so gut gefällt (obwohl es nicht all zu schlecht hier ist), sondern weil wir bei der über die Bucht rollenden Erkältungswellewelle mitmachen. Und das genau zu einem Zeitpunkt, an dem ein Hurricane durch die südliche Karibik zieht, was zwar keinen starken Wind nach Panama bringt, aber eine der wenigen Situationen ist, bei denen unangenehmer Seegang in die Bucht von Portobelo kommt und die Boote stärker schwanken und stampfen als auf dem Ozean. Eine Belastungsprobe für Mensch und Ankergeschirr. Außerdem regnet es eine Woche beinahe durchgehend, manchmal reicht eine Nacht aus, um das Dinghy bis an den Rand zu füllen.

Zwischendurch ist noch panamenischer Nationalfeiertag, zwar mit Paraden usw., aber bei weitem weniger spektakulär als das Jesus-Festival.

Die Krankheiten können wir ganz ohne beten und büßen mit einem Besuch im örtlichen Gesundheitszentrum eindämmen, doch zu welchem Preis: Die ärztliche Beratung ist kostenlos, aber für fünf Antibiotika-Injektionen müssen wir ganze USD 0,69 zahlen! Wir hoffen, wir bekommen das von unserer Versicherung zurückerstattet...

Als wir, nach 4 1/2 Wochen Aufenthalt in Portobelo, wieder gesund sind und auch das Wetter wieder passt können wir endlich weiterziehen, denn bevor es zum Panamakanal geht wollen wir noch den Rio Chagres erkunden.

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Panama

Oh wie schön ist Panama! / Teil 4

20.09.2010 - 18.10.2010

Nargana

Königsmakrele, roh.

Wir gehen Anker auf, fangen eine Königsmakrele, die uns die nächsten fünf Tage ernähren wird, und lassen den Anker kurze Zeit später wieder fallen, diesmal vor Nargana, einer Kunagemeinde, die sich von der traditionellen Lebensweise losgesagt hat. Schon von Islas Puyadas bot sich der ungewohnte Anblick von Straßenlaternen, die die ganze Nacht schienen. Bemerkenswert ist, dass wir zum ersten Mal übergewichtige Kunas sehen. Auch wird hier länger geschlafen und abends länger ferngesehen. Auf Solarpanele wird verzichtet, die Gemeinde hat gleich in einen großen, lauten Dieselgenerator investiert der Tag und Nacht läuft, und an jede Hütte Stromzähler montiert. Es gibt mehrere Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und eine offizielle Verkaufsstelle für Bier und Rum. Frederico liefert sauberen Diesel und Benzin ans Boot. Das kommt uns alles gelegen und wir decken uns ein.

Wanderung entlang der Rio Diablo Wasserleitung.

Zwei Wassertürme bilden das Ende einer kilometerlangen, sich durch den Dschungel windenden Wasserleitung. Wir fahren mit dem Dinghie den Rio Diablo stromaufwärts bis zu einem Punkt an dem die Leitung den Fluss quert und im Urwald verschwindet und folgen ihr zu Fuß. Nach drei Stunden Wanderung, mal auf schmalen Pfaden, mal direkt im Flussbett, gelangen wir zu einem kleinen Stausee, an dem die Leitung beginnt. Zwar sichten wir keine Krokodile, aber deren Spuren, und auch solche, die wie Fußabdrücke von Katzen aussehen. Nur wesentlich größer...

Dinghy-Tour in Fluss, dessen Namen wir nicht wissen.

Beim Befahren eines kleineren, im Mangrovendickicht südlich von Nargana verborgenen Flusses kommen wir endlich einem Krokodil auf wenige Meter nahe, ebenso tellergroßen Spinnen, kleinen Schildkröten, und zahlreichen verschiedenen Eidechsen, u.a. einem Basilisken, auch bekannt als Jesus-Christ-Lizard, da er trotz seiner beachtlichen Größe übers Wasser laufen kann.

Am Tag, an dem wir Nargana verlassen wollen, werden wir noch von der Crew eines der in letzter Zeit in Kuna Yala immer häufiger anzutreffenden "Sport"-fischerboote genervt. Nachdem sie es aus eigener Kraft geschafft haben, sich von der Untiefe zu befreien, auf die sie bei der deppensicheren Anfahrt von Nargana aufgelaufen waren, versuchen sie zunächst viel zu knapp direkt vor unserem Bug, und dazu auch noch im rechten Winkel zum Wind zu ankern. Nachdem wir ihnen erklärt haben, dass sie mehr Abstand halten sollen, da wir der Wassertiefe entsprechend 50 Meter Kette draussen haben und nicht mit Sicherheit sagen können, wie diese derzeit liegt, holen sie den Anker wieder hoch (zum Glück ohne unsere Kette) und ankern nur wenige Meter weiter, so dass sie nach einer leichten Winddrehung wieder direkt an unserem Bug liegen. Als wir schließlich Anker auf gehen bestätigt es sich - sie liegen direkt über unserer Kette. Egal, wir haben ein Stahlboot. Sie nicht...

Green Island

Schlechtwetter. Schach. Laute Franzosen. Sonst ganz nett hier. Sichtung eines Oktopusses.

Holandes Cays

Swimming Pool Anchorage.

Wie bereits im April ankern wir an einem Platz, der unter Seglern als Swimming Pool bekannt ist - 3 m Tiefe, türkisblaues Wasser, rundum geschützt von breiten Riffen und kleinen Inseln. Leider finden auf der von Seglern als BBQ Island bezeichneten Insel nicht mehr die früher allmontaglichen Barbecues statt. Trotzdem bleiben wir eine Weile, nutzen die kurzen Sonnenscheinphasen zum schnorcheln, fahren ansonsten zum Angeln vors Riff, fangen einen Big Eye Jack (geschmacklich mittelmäßig, bleibt aber beim Kochen fast so fest wie Huhn, gut z.B. in stark gewürzten Saucen, wie Curry oder Gulasch), der für drei Tage reicht, und einen Cero (eine Makrelenart mit sehr hellem, festen Fleisch) für ein Festmahl. Gleich zwei mal, als wir Pech haben und glauben, einen Tag vegetarisch verbringen zu müssen, bekommen wir Fisch geschenkt, einen Triggerfish (sehr gut, aber wegen der dicken, lederharten Haut ohne Winkelschleifer unglaublich schwer zu zerlegen) von jungen, im Eiltempo durchziehenden Franzosen, und einen Papageienfisch (weißes, etwas weiches, geschmacklich ein wenig an Garnelen erinnerndes Fleisch) von Floortje und Jelle von der SY Libis.

Einen Tag und eine Nacht verbringen wir noch in der Los Bajos Lagune der Central Holandes Cays, die man durch eine enge, seichte Riffpassage erreicht. Wir wollen eigentlich gleich am nächsten Morgen wieder weiterfahren, doch ein vorbeiziehendes Wolkenband mit einzelnen Gewittern macht uns einen Strich durch die Rechnung. Ohne gutes Licht sind die Riffe nicht zu erkennen, und ein blindes Vertrauen auf GPS in derartigen Gewässern hat schon so manchen das Boot gekostet, wie z.B. den (ehemaligen) Besitzer derjenigen Halberg Rassey 46, deren Rumpf auf einem Riff 3 Meilen weiter westlich darauf wartet, endgültig von den Wellen zerlegt zu werden. Also verschieben wir die Ausfahrt, bis kurz vor Mittag die Wolkendecke etwas aufreißt und die Sonne das Navigieren auf Sicht ermöglicht.

West Lemmon Cays

Weiter geht es.

Schließlich erreichen wir zum dritten Mal (im April und August waren wir bereits hier) den aktuell angesagtesten Treffpunkt der lokalen Cruiser-Szene. Um die 20 Yachten liegen hier vor Anker und nutzen die Annehmlichkeiten der Isla Elefante: Volleyballplatz, Bar mit kaltem Bier, Internet per Satellit und Flachbildfernseher für die Filmabende. Den Pokerabend haben wir verpasst, dafür nimmt David am Schachturnier auf Henrys SY Ashanty teil. Stefans Katze Flecky (SY Sawadi) wird natürlich auch wieder gestreichelt. Ein großer Kontrast zur Einsamkeit im Osten Kuna Yalas.

Großes Thema in der allmorgendlichen Funkrunde (Panama Connection Net, 8107 USB @ 1330Z) ist die eben beschlossene Prohibition in Kuna Yala. Schreckensmeldungen aus Nargana treffen ein: Das Bierlager, in dem wir uns nur ein paar Wochen zuvor eingedeckt haben, ist leer. Doch in den West Lemmons ist es noch nicht so schlimm, an der Bar gibt es weiterhin Bier um USD 1,50 (im April war es noch 1,00), und das alle paar Wochen vorbeikommende Gemüseboot verkauft nun auch Paletten um 15 Dollar.

Abschied

Puerto Perme.

Dieser Ankerplatz ist der Letzte, den wir in Kuna Yala besuchen. Wir nehmen Abschied von einer einmaligen Region mit dem Gefühl, vorerst genug gesehen zu haben, aber auch mit dem Wissen, dass, falls wir irgendwann wieder hierherkommen sollten, es nicht mehr so sein wird wie jetzt. Die traditionelle, für uns manchmal fast steinzeitlich anmutende Lebensweise der Kuna geht direkt in Profitdenken über. Dass das nicht problemlos abläuft liegt auf der Hand. Der Machtkampf zwischen den konservativen Kunas, die ihre Gemeinden vom westlichen Einfluss abschotten wollen (siehe Prohibition...), und den liberaleren dürfte hart sein (siehe Prohibition). Für uns scheint das Rennen auf längere Sicht aber entschieden - Kuna Yala wird sich immer weiter "verwestlichen", mit allen guten und schlechten Folgen.

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Kuna Yala Panama
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Letzte Position

Whangarei Marina / Whangarei / New Zealand
31.01.2012 00:00:00
35°43,4'S 174°19,5'E

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