Oh wie schön ist Panama! / Teil 4

20.09.2010 - 18.10.2010

Nargana

Königsmakrele, roh.

Wir gehen Anker auf, fangen eine Königsmakrele, die uns die nächsten fünf Tage ernähren wird, und lassen den Anker kurze Zeit später wieder fallen, diesmal vor Nargana, einer Kunagemeinde, die sich von der traditionellen Lebensweise losgesagt hat. Schon von Islas Puyadas bot sich der ungewohnte Anblick von Straßenlaternen, die die ganze Nacht schienen. Bemerkenswert ist, dass wir zum ersten Mal übergewichtige Kunas sehen. Auch wird hier länger geschlafen und abends länger ferngesehen. Auf Solarpanele wird verzichtet, die Gemeinde hat gleich in einen großen, lauten Dieselgenerator investiert der Tag und Nacht läuft, und an jede Hütte Stromzähler montiert. Es gibt mehrere Lebensmittelgeschäfte, Restaurants und eine offizielle Verkaufsstelle für Bier und Rum. Frederico liefert sauberen Diesel und Benzin ans Boot. Das kommt uns alles gelegen und wir decken uns ein.

Wanderung entlang der Rio Diablo Wasserleitung.

Zwei Wassertürme bilden das Ende einer kilometerlangen, sich durch den Dschungel windenden Wasserleitung. Wir fahren mit dem Dinghie den Rio Diablo stromaufwärts bis zu einem Punkt an dem die Leitung den Fluss quert und im Urwald verschwindet und folgen ihr zu Fuß. Nach drei Stunden Wanderung, mal auf schmalen Pfaden, mal direkt im Flussbett, gelangen wir zu einem kleinen Stausee, an dem die Leitung beginnt. Zwar sichten wir keine Krokodile, aber deren Spuren, und auch solche, die wie Fußabdrücke von Katzen aussehen. Nur wesentlich größer...

Dinghy-Tour in Fluss, dessen Namen wir nicht wissen.

Beim Befahren eines kleineren, im Mangrovendickicht südlich von Nargana verborgenen Flusses kommen wir endlich einem Krokodil auf wenige Meter nahe, ebenso tellergroßen Spinnen, kleinen Schildkröten, und zahlreichen verschiedenen Eidechsen, u.a. einem Basilisken, auch bekannt als Jesus-Christ-Lizard, da er trotz seiner beachtlichen Größe übers Wasser laufen kann.

Am Tag, an dem wir Nargana verlassen wollen, werden wir noch von der Crew eines der in letzter Zeit in Kuna Yala immer häufiger anzutreffenden "Sport"-fischerboote genervt. Nachdem sie es aus eigener Kraft geschafft haben, sich von der Untiefe zu befreien, auf die sie bei der deppensicheren Anfahrt von Nargana aufgelaufen waren, versuchen sie zunächst viel zu knapp direkt vor unserem Bug, und dazu auch noch im rechten Winkel zum Wind zu ankern. Nachdem wir ihnen erklärt haben, dass sie mehr Abstand halten sollen, da wir der Wassertiefe entsprechend 50 Meter Kette draussen haben und nicht mit Sicherheit sagen können, wie diese derzeit liegt, holen sie den Anker wieder hoch (zum Glück ohne unsere Kette) und ankern nur wenige Meter weiter, so dass sie nach einer leichten Winddrehung wieder direkt an unserem Bug liegen. Als wir schließlich Anker auf gehen bestätigt es sich - sie liegen direkt über unserer Kette. Egal, wir haben ein Stahlboot. Sie nicht...

Green Island

Schlechtwetter. Schach. Laute Franzosen. Sonst ganz nett hier. Sichtung eines Oktopusses.

Holandes Cays

Swimming Pool Anchorage.

Wie bereits im April ankern wir an einem Platz, der unter Seglern als Swimming Pool bekannt ist - 3 m Tiefe, türkisblaues Wasser, rundum geschützt von breiten Riffen und kleinen Inseln. Leider finden auf der von Seglern als BBQ Island bezeichneten Insel nicht mehr die früher allmontaglichen Barbecues statt. Trotzdem bleiben wir eine Weile, nutzen die kurzen Sonnenscheinphasen zum schnorcheln, fahren ansonsten zum Angeln vors Riff, fangen einen Big Eye Jack (geschmacklich mittelmäßig, bleibt aber beim Kochen fast so fest wie Huhn, gut z.B. in stark gewürzten Saucen, wie Curry oder Gulasch), der für drei Tage reicht, und einen Cero (eine Makrelenart mit sehr hellem, festen Fleisch) für ein Festmahl. Gleich zwei mal, als wir Pech haben und glauben, einen Tag vegetarisch verbringen zu müssen, bekommen wir Fisch geschenkt, einen Triggerfish (sehr gut, aber wegen der dicken, lederharten Haut ohne Winkelschleifer unglaublich schwer zu zerlegen) von jungen, im Eiltempo durchziehenden Franzosen, und einen Papageienfisch (weißes, etwas weiches, geschmacklich ein wenig an Garnelen erinnerndes Fleisch) von Floortje und Jelle von der SY Libis.

Einen Tag und eine Nacht verbringen wir noch in der Los Bajos Lagune der Central Holandes Cays, die man durch eine enge, seichte Riffpassage erreicht. Wir wollen eigentlich gleich am nächsten Morgen wieder weiterfahren, doch ein vorbeiziehendes Wolkenband mit einzelnen Gewittern macht uns einen Strich durch die Rechnung. Ohne gutes Licht sind die Riffe nicht zu erkennen, und ein blindes Vertrauen auf GPS in derartigen Gewässern hat schon so manchen das Boot gekostet, wie z.B. den (ehemaligen) Besitzer derjenigen Halberg Rassey 46, deren Rumpf auf einem Riff 3 Meilen weiter westlich darauf wartet, endgültig von den Wellen zerlegt zu werden. Also verschieben wir die Ausfahrt, bis kurz vor Mittag die Wolkendecke etwas aufreißt und die Sonne das Navigieren auf Sicht ermöglicht.

West Lemmon Cays

Weiter geht es.

Schließlich erreichen wir zum dritten Mal (im April und August waren wir bereits hier) den aktuell angesagtesten Treffpunkt der lokalen Cruiser-Szene. Um die 20 Yachten liegen hier vor Anker und nutzen die Annehmlichkeiten der Isla Elefante: Volleyballplatz, Bar mit kaltem Bier, Internet per Satellit und Flachbildfernseher für die Filmabende. Den Pokerabend haben wir verpasst, dafür nimmt David am Schachturnier auf Henrys SY Ashanty teil. Stefans Katze Flecky (SY Sawadi) wird natürlich auch wieder gestreichelt. Ein großer Kontrast zur Einsamkeit im Osten Kuna Yalas.

Großes Thema in der allmorgendlichen Funkrunde (Panama Connection Net, 8107 USB @ 1330Z) ist die eben beschlossene Prohibition in Kuna Yala. Schreckensmeldungen aus Nargana treffen ein: Das Bierlager, in dem wir uns nur ein paar Wochen zuvor eingedeckt haben, ist leer. Doch in den West Lemmons ist es noch nicht so schlimm, an der Bar gibt es weiterhin Bier um USD 1,50 (im April war es noch 1,00), und das alle paar Wochen vorbeikommende Gemüseboot verkauft nun auch Paletten um 15 Dollar.

Abschied

Puerto Perme.

Dieser Ankerplatz ist der Letzte, den wir in Kuna Yala besuchen. Wir nehmen Abschied von einer einmaligen Region mit dem Gefühl, vorerst genug gesehen zu haben, aber auch mit dem Wissen, dass, falls wir irgendwann wieder hierherkommen sollten, es nicht mehr so sein wird wie jetzt. Die traditionelle, für uns manchmal fast steinzeitlich anmutende Lebensweise der Kuna geht direkt in Profitdenken über. Dass das nicht problemlos abläuft liegt auf der Hand. Der Machtkampf zwischen den konservativen Kunas, die ihre Gemeinden vom westlichen Einfluss abschotten wollen (siehe Prohibition...), und den liberaleren dürfte hart sein (siehe Prohibition). Für uns scheint das Rennen auf längere Sicht aber entschieden - Kuna Yala wird sich immer weiter "verwestlichen", mit allen guten und schlechten Folgen.

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Kuna Yala Panama

Oh wie schön ist Panama! / Teil 3

04.09.2010 - 19.09.2010

Mono Island

Vor Mono Island.

Auf Spanisch nennt man sie Chitras, in englischsparchigen Seglerkreisen sind sie als No-See-Ums bekannt, kleine Mücken, die man nur bei gutem Licht und mit guten Augen erkennen kann, die durch jedes Moskitonetz schlüpfen, und deren juckende Bisse ungemein nerven. Diese gibt es in der Regenzeit in der Nähe von Mangroven, und daher auch bei Mono Island, im Überfluss, was uns den ansonsten wunderbar ruhigen Ankerplatz etwas verdirbt.

Die Einfahrt in die Ankerbucht wäre aber beinahe unangenehm geworden: Wir nähern uns der Insel. Die Sonne steht nicht ganz optimal, genau an steuerbord, 35° über dem Horizont. Rund um die Insel ist die Unterwasserlandschaft anhand der Wasserfarbe ganz gut zu erkennen: Türkis - Sand, nicht sehr tief; Braun - Korallen, dicht unter der Wasseroberfläche; Dunkelblau - tiefes Wasser, der Kanal, den wir durchfahren wollen, die Insel an backbord liegen lassend. Laut Karte gibt es noch ein vorgelagertes Riff, dass steuerbords bleiben soll. Der Navigator arbeitet konzentriert, benützt Augen und Karte, Peilkompass und GPS, trotzdem passiert es: Zum ersten (und bisher einzigen Mal) können wir ein Riff erst identifizieren, als Korallenköpfe plötzlich knapp neben dem Rumpf - auf beiden Seiten! - sichtbar werden und der Steuerfrau beim Blick auf das Echolot die Luft wegbleibt. Nervenaufreibende Sekunden im Schneckentempo. Aber es geht sich gerade eben aus, wir sind nur viel dichter als gewünscht an die Außenkante geraten, dass Riff bleibt ganz, der Lack auch. Später beschließen wir, das Riff mit Dinghie und Hand-GPS zu vermessen. Die Karte stimmt mit der Wirklichkeit überein. Noch später dämmert es - Stahlschiff...ein Handpeilkompass sollte nicht zu nahe am Stahl verwendet werden...

Snug Harbor

Yauala. Schnorcheln bei Ulardup.

Noch ruhiger als hinter Mono Island und mit weniger Chitras liegt es sich hier. Die Inselgruppe hat schöne Sandstrände zu bieten und liegt so nahe am Festland, das man das Bergpanorama genießen kann. Wir fahren mit dem Dinghie zu den zwei Meilen vorgelagerten Riffen, die erstklassiges Schnorcheln zu bieten haben, in einer Ecke begegnen wir gleich fünf Haien. Joaquim, der im nahegelegenen Dorf wohnt, versorgt uns mit Trinknüssen und Bananen und nimmt uns unseren Müll ab. Eigentlich wäre es hier ideal für einen längeren Aufenthalt. Doch auch hier werden uns die Chitras nach kurzem zu viel, und wir verlegen uns gleich mit dem Boot zu einer der vorgelagerten Inseln, nämlich Aridup. Zwar wird es bei Südwind etwas schaukelig, doch das ist uns lieber als noch mehr Insekten mit unserem Blut zu ernähren. Die, die sich mit uns das Mehl teilen, reichen doch.

Isla Tigre

Isla Tigre.

Auf dieser Insel spüren wir, wie sich die westliche Zivilisation langsam durchsetzt. Vor jeder Hütte, die alle traditionell gebaut sind, steht auf einer Stütze ein Solarpanel. Damit werden Radio und Fernseher betrieben. Auch an Touristen ist man hier gewöhnt, so werden wir beim Dorfrundgang mehrmals von alten Frauen erschreckt, die uns aus ihrem dunklen Hauseingang mit Molas oder Armbändern beladen anzulocken versuchen, Männer wollen uns Hasen verkaufen oder zu einem Restaurantbesuch überreden.

Vom Schiff aus sehen wir zum ersten mal ein Krokodil, dass in der Abenddämmerung zur Insel schwimmt und sich unter einem Steg versteckt.

Islas Puyadas

Hirnkoralle mit Weihnachtsbaumröhrenwurm, darüber ein Blaukopf-Junker. Pluma-Brasse, frisch aus dem Ofen.

Zwei Seemeilen nördlich von Isla Tigre ist das Paradies noch in Ordnung. Wir arbeiten fleißig an der Dezimierung der lokalen Brassen- und Snapperpopulation, hier kann man diese schmackhaften Fische direkt vom Achterdeck aus angeln. Die Unterwasserlandschaft ist großartig und der Grund sogar bei 11 m Tiefe klar zu erkennen. Große Korallenblöcke stehen auf Sand, dazwischen sieht man Barrakudas, Snapper, Kugelfische, ...

Unruhige, gewittrige Nächte und Tage mit Regenschauern wechseln sich mit sternenklaren Nächten und Tagen voll Sonnenschein ab. Trotz des sehr wechselhaften Wetters bleiben wir fast eine Woche, da wir wissen, dass es danach mit der Einsamkeit vorbei sein wird. Der von Yachten wenig besuchte Teil Kuna Yalas liegt nun hinter uns.

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Kuna Yala Panama

Oh wie schön ist Panama! / Teil 2

25.08.2010 - 03.09.2010

Mulatupu

Kinder in Mulatupu. Zu Besuch bei Familie Green, Mulatupu.

Hat man die spannende Einfahrt nach Mulatupu erfolgreich gemeistert wird man auch schon von Einheimischen begrüßt. Wir ankern direkt neben dem mit 2.000 Einwohnern zweitgrößten Dorf Kuna Yalas, das eigentlich zwei Dörfer ist, da sich die Einwohner zerworfen haben. Jetzt gibt es auf der Insel, die aus allen Nähten platzt, zwei Congresos (dem allabendlichen Versammlungshaus) und zwei Sahilas (Chefs). Einen Sohn eines der Chefs, Mr. Green, lernen wir gleich nach unserer Ankunft kennen. Er spricht etwas Englisch, wir etwas Spanisch, die Kommunikation funktioniert ausgezeichnet. Wir werden am Nachmittag in sein Haus eingeladen, wo gleich auch eine Einladung für den nächsten Tag, diesmal zum Abendessen, ausgesprochen wird. Dafür machen wir gerne Fotos von der Familie und drucken diese aus. Nebenbei werden unsere vorsorglich angelegten Vorräte an Zuckerln von der Dorfjugend arg dezimiert, die in ihren Einbäumen zu unserem Schiff kommt und "Pastilla!" fordert. Da dürften schon Segler vor uns gute Erziehungsarbeit geleistet haben...

In Mulatupu lernen wir wieder mehr über das Leben der Kuna, erleben, wie bei einem Todesfall getrauert wird, und wie ein Drogenhändler verhaftet wird.

Um uns etwas Bewegung zu verschaffen paddeln wir mit dem Dinghie den Lauf des Flusses Ibanedi hinauf. Anfangs von Mangroven, dann von Plantagen und schließlich von Wald gesäumt mäandert der Fluß durch die Gegend und ist dabei ziemlich hübsch.

Ibedi Tiwar, Mulatupu.

Mit schönen Erinnerungen beladen ziehen wir nach drei Tagen weiter.

Isla Pinos

Isla Pinos.

Gleich ums Eck von Mulatupu finden wir einen etwas einsamer gelegenen Ankerplatz vor der Isla Pinos, außerhalb der Reichweite von nach Zucker gierenden Kindern, dafür mit traumahften Stränden, dichtem Dschungel, und ein nettes kleines Dorf ist nicht all zu fern. Den Aufenthalt verlängern wir kurzerhand, als es endlich wieder regnet. Die Wassermassen sind uns sehr willkommen, wir duschen im Regen und bekommen seit langem wieder eine Süßwasserhaarwäsche. Außerdem werden die Wasservorräte aufgefüllt, die Waschzuber ebenso. Nach drei Waschgängen am nächsten Tag sieht Molimentum zwar aus wie ein schwimmender Wäscheständer, dafür ist sie innen wie außen um einiges sauberer geworden.

Am Tag unserer Abreise scheint die Sonne und eine leichte Brise weht uns um die Ohren. Wir setzen Segel, lichten den Anker und gleiten zwischen den Inseln und Riffen unserem nächsten Ziel entgegen.

Ustupu

Party! Party!

Wir erreichen die größte Siedlung Kuna Yalas (je nachdem, wen man fragt, leben hier zwischen 2.000 und 10.000 Menschen) gerade zu Beginn eines großen Festes zu Ehren von Nele Kantule, einem 1944 verstorbenen Anführeres, der maßgeblich zur Autonomie Kuna Yalas innerhalb Panamas beigetragen hat. Sein Grab befindet sich auf einer winzigen Insel direkt neben Ustupu. Das Fest dauert von 1. bis 3. September. Morgens um halb fünf, noch vor Sonnenaufgang geht es lautstark los, Gruppen von Trommlern marschieren durchs Dorf, aus den auf zahlreichen Häusern angebrachten Lautsprechern tönt etwas, dass wir aus Respekt und der Einfachheit halber "Musik" nennen wollen. Die Trommler trommeln eine Weile, dann gehen die Leute an die Vormittags-Arbeit, die "Musik" tönt weiter, bis etwa um vier. Dann zeigt sich auch, was es mit der "Musik" auf sich hat: Tanzgruppen, Männer und Frauen im gleichen Verhältnis, insgesamt um die zwölf, die Männer mit Panflöten vor dem Gesicht, die Frauen mit Rasseln in der Hand, zeigen ihre Fertigkeiten. Die Männer flöten (immerzu die selbe, monotone, schon aus den Lautsprechern bekannte Melodie), die Frauen rasseln (1-2-3-4), und alle zusammen hüpfen (links-links-rechts-rechts) mehr oder weniger komplizierte Figuren. Am ersten und zweiten Tag ist das ganze noch recht informell, am dritten schließlich wird eine Bühne dekoriert, die Tänzer sind kostümiert, zwischendurch gibt es Ansprachen und Gedichte aufsagende und Theater spielende Kinder. Außerdem gibt es ein Volleyballturnier für die Mädchen und ein Baskettballturnier für die Jungs. Abends ist das Programm aber zu Ende und wir beobachten die ungeschickten Versuche, Feuerwerksraketen abzuschießen, vom Boot aus, was gut ist, da die meisten Raketen brennend knapp neben uns ins Wasser stürzen.

Diwar Sugandi.

Bei Tagesanbruch schwärmen die Männer in Richtung Festland aus um ihre Plantagen zu bewirtschaften. Viele paddeln dazu einen der beiden Flüsse hinauf, die gegenüber von Ustupu münden. Das machen wir auch, allerdings etwas später. Zuerst besichtigen wir den Sugandi Tiwar, an dessen Ufern einige Friedhöfe liegen. Der Fluss ist malerisch mit ins Wasser hängenden Bäumen und zahlreichen bunten Vögeln. Der Aboudi Tiwar hat nicht ganz so viel Reiz.

Wir bekommen wieder viel Besuch, anscheinend verirren sich nicht viele Boote hierher, und auch im Dorf werden wir mehrmals angesprochen. Zum ersten mal treffen wir auf Kunas, die wissen, wo Österreich liegt. Und auf einen, der Sound of Music kennt.

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Oh wie schön ist Panama! / Teil 1

12.08.2010 - 24.08.2010

"In einer halben Stunde sind wir da!" - mit diesen Worten werde ich von David geweckt. Müde schäle ich mich aus der Koje, denn die zweittägige Fahrt von den Islas del Rosario nach Panama hat uns mehr abverlangt als gedacht. Der Kampf gegen Strömung und Gewitterfronten mit böigem Wind hat die geschätzte Reisezeit von einem auf zwei Tage verdoppelt. Aber der Blick in die Umgebung lässt die Strapazen vergessen: Die Sonne ist gerade aufgegangen und beleuchtet tiefgrüne Berge, davor blaues Meer. Eine leichte Brise bringt den würzigen Duft des Regenwaldes und erste Schmetterlinge zu uns. Schön, wieder in Kuna Yala zu sein!

Obaldia

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Der Anker fällt in der schönen, aber leider ungeschützten Bucht vor Puerto Obaldia, dem östlichsten Ort Kuna Yalas. Hier kann man die Einreiseformalitäten erledigen, was aber nur etwa zwanzig Yachten jährlich machen. (Im Gegensatz zu Porvenir, dem westlichsten Ort Kuna Yalas, in dem zweihundert Yachten jährlich einreisen.) Bedeutung erhält Obaldia durch die Grenznähe zu Kolumbien. Ein großer Polizeistützpunkt ist hier angesiedelt, als Ausgangsbasis für Kontrollgänge durch die Berge. Wir werden beim Anlanden mit dem Dinghie auch sofort von einem als schwerbewaffneten Soldaten verkleideten Polizisten freundlich in Empfang genommen. Wir werden wir durch die Behörden geleitet, bis Stunden später (Mittagspausen sind nicht koordiniert) alle Formulare ausgefüllt sind und wir eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate in den Händen halten.

Beim Verlassen des Dorfes müssen wir uns an einem Kontrollpunkt ausweisen. Der nette Polizist spricht sogar Englisch und erlaubt uns an ihrem Wasserhahn unsere Trinkwasserkanister aufzufüllen, und um den Tag perfekt zu machen erstehen wir auch noch frisches Gemüse von einem kolumbianischen Versorgungsboot.

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Bei der Rückkehr zum Steg kommen wir gerade rechtzeitig, um zwei Franzosen beim Ausladen ihres Autos aus einem kaum größeren Motorboot zu fotografieren. Die Ente tourt um die Welt, über alle Kontinente und Meere. In Obaldia hoffen sie auf ein größeres Boot, das sie nach Colon bringen kann. Wir zweifeln, drücken aber trotzdem die Daumen.

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Das hier nicht allzuoft Yachten ankommen merkt man an den Kindern, deren anfängliche Zurückhaltung schnell in große Neugier übergeht. Besonders ein paar Jungen, die mit ihrem Einbaum permanent kentern und dabei großen Spaß haben, bringen auch uns zum Lachen.

Puerto Perme

Knapp 9 Meilen westlich von Obaldia befindet sich eine sehr kleine aber ausgezeichnet geschützte Bucht, in die wir gerade eben bequem reinpassen. Das Panorama ist paradiesisch, weshalb wir erstmal am Boot bleiben und das Treiben der Kunas um uns herum beoachten. Am Ufer ist ein neues Dorf im Entstehen, für das die Männer Steine vom Riff holen. Währenddessen angeln kleine Kinder für das Abendessen.

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Auch David versucht vom Boot aus zu angeln, allerdings fehlt das Training von Kindesbeinen an. Ein Fischer namens Andres schenkt uns Köder mit denen dann doch ein Fang gelingt. Andres und seine Familie lernen wir in den nächsten Tagen besser kennen. Leider müssen wir feststellen, dass es eher ein geschäftliches als ein freundschaftliches Verhältnis ist. Nach einigen Besuchen und Gegenbesuchen fühlen wir uns endgültig ausgenutzt und suchen das Weite.

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Zuvor unternehmen wir noch eine Wanderung durch die Plantagen der Kuna, wo vor allem Bananenstauden und Kokospalmen wachsen, und den dahinterliegenden Regenwald nach Carreto, einem kleinen Dorf. Wir bleiben nicht lange, schließlich ist man hier sehr traditionsbewusst und fotografieren ist verboten.

Puerto Escoses

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Elf Seemeilen weiter liegt eine einsame Bucht, deren Name "Hafen der Schotten" bedeutet. Vom schottischen Fort, das für wenige Jahre als Basislager für eine grandios gescheiterte Serie von Expedition diente (2.800 Schotten fuhren hin, 800 Schotten fuhren zurück) ist nichts mehr zu sehen. Ab und zu kommt jemand vorbei, um nach seiner Plantage zu sehen, aber an sich leben wir hier einsam und verbringen sehr ruhige Tage und Vollmondnächte. Getrübt wird das Paradies durch die Tatsache, dass es (vielleicht) Krokodile gibt und wir uns daher nicht ins durch die Festlandnähe sehr trübe Wasser trauen. Also erkunden wir die Bucht vom Dinghy aus. Auch an den einsamsten Stränden, sofern sie zum Meer hin offen sind, finden wir Plastikmüll.

Irgendwann wird es uns doch zu einsam und wir beschließen, uns wieder unter Menschen zu begeben.

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Kuna Yala Panama

Kuna Yala

14.04.2010 - 25.04.2010

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Kuna Yala, das Land der Kuna, erstreckt sich über weite Teile des östlichen Panamas. Nahezu unberührter Regenwald auf dem Festland, über 300 großteils palmenbedeckte Inseln im San Blas Archipel vor der Küste, manche so dicht besiedelt wie möglich, manche unbewohnt. Die sehr konservativen Gesetze der Kuna sorgen dafür, dass dieses Paradies nicht wie andere Gegenden in eine Tourismus-Hölle verwandelt: Aussenstehende können kein Land kaufen, dürfen auch keine Dienstleistungen wie Führungen oder Yachtcharter anbieten (Backpacker-Transporter fallen wohl in eine tolerierte Grauzone). Ehen zwischen Kunas und Nicht-Kunas sind verboten, was aber durch die geringe Bevölkerung von ca. 55.000 Kunas Erbkrankheiten fördert, so sind Albinos kein seltener Anblick.

Wir besichtigen den "touristischeren" westlichen Teil des San Blas Archipels. An jedem guten Ankerplatz liegen mehrere andere Yachten, alle paar Wochen läuft ein Kreuzfahrtschiff ein. Hin und wieder paddeln oder segeln Kuna in einem Ulu, einem Einbaum-Kanu, zu den Yachten (beim Ankern sollte man immer Fender hängen haben) und bieten frisch von den Pflanzungen im Regenwald geholtes Obst und Gemüse an, manchmal Fisch oder Eier, oft Molas. Das sind kunstvolle Stickereien, die Teil der traditionellen Kleidung der Kuna-Frauen sind. Der Handel mit Seglern ist, neben den an manchen Orten von den Congressos, den lokalen Regierungen, eingehobenen geringen Ankergebühren (z.B. US$ 7,- für einen Monat), eine der wenigen Möglichkeiten für Kunas an Dollar zu kommen, trotzdem sind sie nie aufdringlich, bei einem Nein fahren sie gleich weiter.

So unberührt wie der Regenwald ist auch die Unterwasserwelt, die die Inseln umgebenden Riffe sind ein Schnorchelparadies. Scuba Diving ist verboten, aber da sich das meiste und bunteste Leben in 0 - 5 Metern Tiefe tummelt ist das ziemlich egal.

Kleine Rundreise

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Wir verlegen uns in die West Lemmon Cays, eine Gruppe von 12 Inseln östlich von Porvenir. Wir nehmen die von Fritz (SY Fritz the Cat ) empfohlene westliche Einfahrt, Sonja am Steuer, auf den Tiefenmesser starrend, David am Bug, ins Wasser starrend, da es eine sehr seichte Stelle geben soll. 2,0 Meter...1,9 Meter...1,8 Meter...keine Anzeige mehr am Echolot...2,5 Meter - wir haben sie passiert.

Wir ankern im Süden der Inselgruppe neben der SY Sawadi . In Folge lernen wir deren Besatzung, Stefan und Flecky, den Bordkater kennen. Stefan, früher Programmierer, begann einmal eine Weltumsegelung, blieb dann aber in Kuna Yala hängen. Kann man verstehen. Von ihm erhalten wir einige lokale Informationen. Dass es etwa morgens um 08:30 eine Funkrunde gibt (Panama Connection Net, SSB 8.107 kHz), dass man sich hier zwischen Seglern auf VHF 72 verständigt, und dass es auf Elephant Island günstiges kaltes Bier und Volleyball gibt. Ansonsten erkunden wir mit Flossen und Schnorchel die Unterwasserwelt rund um unser Boot.

Am Abend werden wir von Fritz auf österreichisches Essen eingeladen, Kaiserschmarren. Für den ehemaligen Gastwirt ist das bekochen der 17 Backpacker und 2 österreichischen Gäste kein Problem.

Den nächsten Tag verbringen wir wieder mit Schnorcheln, an anderen Riffen. Am Abend steigt eine Party auf Elephant Island. Der Grill wird angeheizt, mehrere Yachties bringen ihre Instrumente, unter anderem batteriebetriebene E-Gitarren, und dann wird bis spät in die Nacht, die hier sehr früh beginnt, gefeiert, getanzt, getratscht und getrunken.

Nach einem weiteren Schnorcheltag geht es weiter zur nächsten Inselgruppe, den Holandes Cays, wo wir auf einem Ankerplatz namens "Swimming Pool" unser Lager aufschlagen. 2 - 3 Meter tiefes türkisblaues Wasser über weißem Sand, auf allen Seiten von Inseln und Riffen umgeben, an welchen sich die Brandung der Karibischen See bricht, so dass man ausser dem Rauschen nichts von dieser mitbekommt. Wir unternehmen mehrere Ausflüge mit dem Dinghy, erkunden das Innenriff, wo sich zahlreiche Adler- und Stachelrochen tummeln.

Nach zwei Nächten geht es weiter zu den Coco Bandero Cays, wo das Ankern nicht ganz so paradiesisch wie in den Holandes Cays ist, wir aber beim Schnocheln wieder mal auf einen Hai treffen.

Wanderung

Von dort segeln wir zu den Islas Robenson, welche im Golf von San Blas liegen. Wir sind dort mit Rose und Tom von der SY Sojourn verabredet, die eine Wanderung zu dem im Regenwald gelegenen Kunadorf Mandinga organisiert haben. Das Wasser am Ankerplatz neben der Insel Gerti ist zwar wegen der zahlreichen Flüsse, die hier ins Meer fließen, trüber, aber dafür gibt es rund um uns herum nur Regenwald und, abgesehen von den kleinen bewohnten Inseln, Einsamkeit und Ruhe.

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Die Wanderung beginnt um 7 Uhr früh, kurz nach Sonnenaufgang. Unser Guide Justino holt uns mit einem kleinen Ulu vom Boot ab, das sich für uns aber als zu instabil herausstellt. Schnell beschließen wir zum Dorf zurückzukehren und das große Ulu der Gemeinde auszuborgen. Darin fühlen wir uns sicher und fahren einen Flusslauf soweit wie möglich hinauf, lassen das Ulu zurück und beginnen die Wanderung. Justino ist offensichtlich nicht an langsames spazieren gewöhnt, er legt ein Tempo vor, welches die Stimmung in der Gruppe etwas drückt. Nach etwa einer Stunde ist die erste Siedlung erreicht, die wir aber flott hinter uns lassen um im Eiltempo das Dorf Mandinga, am Fluss Mandinga gelegen, zu erreichen.

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Dort wird erst einmal jemand gesucht, der Mittagessen kocht, dann geklärt, wieviel wir essen wollen. Schließlich können wir die Community besuchen, lassen uns Molas zeigen, bekommen traditionellen Armschmuck angepasst und haben Spass mit den sehr aktiven und fröhlichen Kindern. Im Anschluss an das Mittagessen bekommen wir noch vorgeführt, wie aus Zuckerrohr der Saft gepresst wird, welcher sofort getrunken werden kann oder vergoren wird. Zur Abkühlung setzen wir uns in den Fluß, was aber nur kurz hilft. Am Rückweg haben wir es nicht mehr so eilig, kürzer ist er aber auch nicht geworden und so erreichen wir ziemlich erschöpft das Ulu, welches uns kurz vor Sonnenuntergang auf unseren Booten absetzt.

Links

SY Fritz the Cat (Fritz)
SY Sawadi (Stefan & Flecky)
SY Sojourn (Tom & Rose)

Kategorie: Reise | Tags: Karibik Kuna Yala Panama
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Letzte Position

Whangarei Marina / Whangarei / New Zealand
31.01.2012 00:00:00
35°43,4'S 174°19,5'E

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