Von Tonga nach Neuseeland

11.11.2011 - 22.11.2011

Wie schon im letzten Eintrag erwähnt wollen viele Segler die südpazifische Wirbelsturmsaison, die offiziell von Anfang November bis Ende April geht, in Neuseeland verbringen und warten daher in Tonga auf das perfekte Wetterfenster für die Überfahrt. Das Wetter auf der Strecke nach und anschließend in Neuseeland unterscheidet sich deutlich von dem in den Tropen: Wettersysteme ziehen relativ schnell in endloser Abfolge von West nach Ost, auf ein Tief folgt ein Hoch folgt ein Tief, im Abstand von mehr oder weniger einer Woche. Von Tonga aus fährt man im Idealfall innerhalb des Durchzugs eines Hochs, vermeidet dadurch in Fronten zu geraten, und versucht möglichst wenig Zeit im Kern des Systems, wo Flaute herrscht, zu verbringen.

Auf dem Weg von Tonga, dessen südlichstes Ende knapp 1.000 Seemeilen von den ersten Häfen Neuseelands entfernt ist, bietet sich noch ein Zwischenstopp im 250 Meilen südwestlich von Tongatapu gelegenen nördlichen Minervariff an. Das soll einerseits spektakulär sein, da bei Hochwasser kein Fleckchen Land dieses Atolls mehr aus dem Meer ragt und man sich vorkommt, als ob man im offenen Ozean ankert und andererseits wird denrlängste Schlag auf etwa 800 Seemeilen verkürzt.

Soviel zur Theorie.

Wir ankern vor Nomuka Iki in der Ha'apai-Gruppe und warten auf günstiges Wetter für die Überfahrt nach Minerva. Derzeit ist das nicht gut abzuschätzen, ein schwaches Hoch hat sich in der Tasmansee zwischen Neuseeland und Australien breitgemacht und will sich einfach nicht weiterbewegen, die Prognosen ändern sich mit jedem neuen Wetterbericht, also zweimal täglich. Aber wir dürfen nicht nur das Wetter südlich von uns beobachten. Schon eine Weile ist in den Wetterkarten zu sehen, dass sich ein tropisches Tiefdruckgebiet nördlich von Fiji ausbildet. Dieses beginnt sich plötzlich auf Tonga zuzubewegen und droht direkt über uns drüber zu ziehen. Die Prognosen zeigen Wind aus allen Richtungen, bis 50 Knoten, Regen, Blitz und Donner inklusive. In Ha'apai gibt es keinen Ankerplatz, der bei solchen Bedingungen ruhiges Liegen verspricht. Nach Tongatapu, in die südlichste Inselgruppe Tongas, wollen wir nicht fahren. Also beschließen wir zu flüchten, auf nach Minerva, denn da soll das Tief in großem Abstand vorbeiziehen.

Die ersten Tage bieten Sonntagssegeln pur - Halbwind, kaum Welle, 7 Knoten auf dem Log werden zum gewohnten Anblick. Nach langer Zeit geht uns wieder einmal eine größere Dorade an die Angel. Wir haben keine Waage, schätzen aber anhand der Portionen den Filetanteil auf um die 4 kg. Diese Menge übersteigt die Kapazität unseres Kühlschranks, so muss einiges eingelegt und eingekocht werden.

Alles läuft perfekt, doch dann am dritten Tag kommt mit dem Wetterbericht die Hiobsbotschaft - das Tiefdruckgebiet, mittlerweile vom Tropical Low zur Tropical Disturbance hochgestuft, hat seinen Kurs geändert und soll Richtung Minerva ziehen - Wind aus allen Richtungen, bis 70 Knoten, Regen, Blitz und Donner inklusive. Wir haben die Wahl: entweder ankern und hoffen, dass es doch nicht so schlimm wird - vor Seegang böte das Riff vermutlich ausreichend Schutz - oder weitersegeln, in eine unklare Wetterlage hinein.

Wir entscheiden uns schweren Herzens für letzteres denn wir hätten Minerva gerne besucht. Andererseits sind keine Fronten im Anzug, die weitersegeln gefährlich machen würden, sondern "nur" tagelanger mäßiger Gegenwind. Und so kommt es dann auch. Wir haben Tage mit perfektem Segelwind, Tage, an denen wir gegen 5 Knoten Gegenwind anmotoren, und Tage, an denen wir bei etwas mehr Wind, dafür aber kurzen steilen Wellen aufkreuzen und gerade mal 30 Meilen Richtung Neuseeland gewinnen. Aber nie sind es mehr als 25 Knoten Wind, und nie mehr als 3 Meter Welle.

Und es geht nicht nur uns so, bei der Ankündigung des Sturms für Minerva haben zahlreiche andere Boote, die dort auf ein Wetterfenster für die Weiterfahrt gewartet haben, fluchtartig das Weite gesucht, und mit einigen davon sind wir im täglichen Funkkontakt. Ein wenig sind wir schon stolz, dass unser kleiner, schwerer Stahlkutter mit anderen, größeren und leichteren Schiffen mithalten kann. Zumindest mit denen, die keine Katamarane sind oder jenen, die dank riesiger Tanks und starker Maschinen fast die gesamte Strecke motorsegeln können.

Das Segeln selbst unterscheidet sich von dem der vergangenen Monate, statt vor dem Passat zu rollen fahren wir nur noch Halb- bis Amwindkurse. Zusätzlich zur mal mehr, mal weniger gerefften, mal ganz weggepackten Genua steht beinahe ständig die Fock, dazu sind erstmalig auch die Backstagen im Dauereinsatz. Diese Besegelung bewährt sich, das Boot läuft gut, und so ist unser einziges Problem die täglich zunehmende Kälte. Am Ende ist es in der Nacht im Cockpit kaum mehr auszuhalten, trotz dickster Winterbekleidung.

Schließlich, 11 Tage nachdem wir Anker auf gegangen sind, kommt am Morgen des 22. Novembers Land in Sicht. Perfekt getimed, bei halber steigender Tide, biegen wir in den Whangarei Harbour ein und legen am Quarantänesteg in Marsden Cove Marina an.

Kategorie: Reise | Tags: Neuseeland Pazifik Tonga

Niue

02.10.2011 - 08.10.2011

Captain Cook nannte sie "Savage Island", doch wir fühlen uns in Niue gleich willkommen (von Niu e - "Betrachte die Kokosnuss"), auch bekannt als "The Rock". Heute ist Niue ein "unabhängiger Staat, in freier Verbindung mit Neuseeland". Für uns bedeutet das, dass endlich wieder Englisch gesprochen wird und außerdem Linksverkehr herrscht.

Die Bucht vor dem Hauptort Alofi ist nur gegen Wind und Wellen aus östlicher Richtung geschützt. Deshalb haben wir schon Wochen zuvor das Wetter beobachtet und uns extra länger in Französisch Polynesien aufgehalten, um einige Sturmtiefs im Südmeer vorbeiziehen zu lassen. Es hat sich anscheinend gelohnt, da wir bei ruhigem Wetter an der vom Niue Yacht Club bereitgestellten Mooringboje kaum schaukeln.

Zum Einklarieren müssen wir mit dem Dinghie zum Dock kommen und dieses dort mit einem Kran herausheben, da es sonst von den Wellen am Pier zerstört würde. Die Einheimischen verfahren mit ihren Motorbooten nach Gebrauch genauso. Hat man erst herausgefunden, wie es geht, ist es ganz einfach.

Die Einreiseformalitäten sind dank der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Beamten rasch erledigt: Keine langen Strecken unter heißer Sonne sind zu bewältigen, der Zollbeamte kommt zum Dock, der Landwirtschaftsinspektor ebenfalls, und nachdem deren Formulare ausgefüllt sind werden wir zur Einwanderungsbehörde chauffiert - mehr Service geht kaum. Im Anschluß beantwortet uns Ira vom Yacht Club alle Fragen und schenkt uns Bananen einer Sorte, die wir bisher nicht gekannt haben.

Da Alofi sehr klein ist, ist auch alles andere schnell erledigt: Wir mieten uns zwei Fahrräder, wechseln Geld (es wird hier nur Bargeld genommen), besuchen die Geschäfte, und reservieren einen Tisch in Jenna's Cafe zum allwöchentlichen Abendbuffet mit lokalen Spezialitäten.

An Land

Die Insel ist ein ovaler, beinahe flacher Kalksteinblock, der aus dem Meer gehoben und von Wind und Welle bearbeitet wurde, dementsprechend zerklüftet ist die Landschaft. Mit den Fahrrädern begeben wir uns auf Inselerkundung. Morgens queren wir die Insel in der Mitte durch dichten Wald, der nur von Taroplantagen unterbrochen ist, dann geht es die Küste entlang zurück zur Hauptstadt, einmal über den Norden, tags darauf über den Süden.

Zahlreiche gut beschilderte "Sea Tracks" führen von der Straße hinunter zum Meer, und jeder ist irgendwie anders: Mal führen sie durch den Wald, mal durch Höhlen, mal kann man am Ende auf dem Riff kilometerweit spazieren gehen, mal findet sich eine Tropfsteinhöhle mit türkisblauem Swimmingpool, in dem kleine Fische zwischen kleinen Korallen herumschwimmen. Aber schön sind sie alle. An den beliebtesten Plätzen sind sogar sanitäre Anlagen mit Dusche und Trinkwasser installiert. Diesen Service schätzen wir als untrainierte, hitzegeplagte Fahrradfahrer besonders.

Wie jedes Paradies hat auch dieses seine Schattenseiten: Die Spuren des Wirbelsturms Heta, der 2004 Niue mit Windgeschwindigkeiten von 300 km/h und Wellenhöhen von 30 Metern heimgesucht hat, sind noch immer zu sehen: Häuser ohne Dächer, Fundamente ohne Häuser, Dörfer ohne Bewohner. Kurz nach der Katastrophe haben noch etwa 4000 Menschen auf der Insel gelebt, danach hat eine Auswanderungswelle begonnen. Heute hat Niue noch knapp über 1000 Einwohner.

Unter Wasser

Auch unter Wasser setzt sich die beeindruckende Landschaft fort, und das Wasser ist unglaublich klar: An der Mooring könnnen wir beim Schnorcheln den Meeresgrund unter uns sehen - in 35 Metern Tiefe! Einziger Wermutstropfen: Die Buckelwale sind schon weg. Von Juli bis Oktober sind sie rund um Niue anzutreffen, häufig schwimmen Mütter mit Kälbern rund um die an den Moorings hängenden Yachten. Doch dieses Jahr sind sie etwas früher als sonst weitergezogen.

Wir gehen mit dem einzigen örtlichen Dive Shop, Niue Dive, tauchen. Am ersten Tag führt uns Ian zunächst zu Ana Mahaga, einem Labyrinth aus Schluchten und Höhlen mit zahlreichen Ein- und Ausgängen. Für uns ist Höhlentauchen etwas Neues, und immer wieder müssen wir uns anhand der aufsteigenden Luftblasen vergewissern, wo oben und unten ist, denn den Fischen ist das ziemlich egal. Sie schwimmen so, als ob die Wand oder die Decke - was eben gerade näher ist - der Boden wäre.

Der zweite Tauchplatz nennt sich "The Dome". Nach erneutem Schwimmen durch enge Schluchten geht es in eine große, dunkle Höhle, etwa 30 Meter hinein in die Insel, dann tauchen wir langsam auf, und befinden uns im Dome, einer kuppelförmigen Tropfsteinhöhle, von Land nicht zugänglich. Zumindest für Menschen. An den Wänden hängen Ugas, riesige Kokoskrabben, die sich sonst in den ausgedehnten Wäldern der Insel herumtreiben.

Unser dritter Tauchgang, diesmal mit Annie als Guide und zwei weiteren Seglern, findet bei Tepa Point statt. Nicht so spektakulär wie am ersten Tag, Wände und Schluchten, aber anhand einer ausgedehnten Sandfläche bekommt man ein Gefühl für die unglaubliche Klarheit des Wassers - die Sichtweite beträgt mehr als 50 Meter.

In der Oberflächenpause sucht Annie die Küste nach Spinner Dolphins ab und findet tatsächlich eine Gruppe. Während sich jeweils zwei Schnorchler am Boot außen festhalten verfolgt Annie die Delphine und beschert uns so weitere unvergessliche Momente.

Zuletzt tauchen wir bei Snake Gully. Leider nicht zur richtigen Zeit im Monat, denn so finden sich hier nur genauso viele Seeschlangen wie bei allen anderen Tauchplätzen, also nur "zahlreiche" anstatt "abzählbar unendlich vieler" dieser äußerst niedlichen, giftigen und neugierigen Tiere. Dafür geht es wieder in eine Höhle, diesmal gefüllt mit Langusten.

Nach einer Woche sind leider hohe Wellen aus Westen angesagt, und so verlassen wir Niue. Schade, wir wären gerne noch ein paar Tage geblieben.

Kategorie: Reise | Tags: Niue Pazifik

23 Tage auf See

16.04.2011 - 09.05.2011

Die längste Etappe liegt hinter. Vom letzten Ankerplatz auf San Cristobal in Galapagos zur Ankerbucht in Fatu Hiva, Marquesas, sind es 3.000,3 Seemeilen Luftlinie. Wir sind 3.174 SM gesegelt. Wir hatten drei bis vier Wochen veranschlagt, mit den tatsächlich benötigten 23 Tagen 1 1/4 Stunden sind wir daher recht zufrieden. Es ergibt sich daraus ein durchschnittliches Etmal (= in 24 Stunden versegelte Strecke in SM) von 137,7 und eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 5,74 kn.

Wir verlassen San Cristobal gegen Mittag und segeln Richtung Südwesten, also nicht direkt Richtung Ziel, um aus der Flautenzone in Äquatornähe, wo es Wind meist nur in Squalls gibt, in jene Breiten zu gelangen, in denen der Südostpassat vorherrscht.

Die Umstellung auf den Schichtbetrieb fällt uns leicht. Bei Sonnenuntergang gibt es Abendessen, dann beginnt die erste Nachtwache. Da es ungefähr zwölf Stunden dunkel ist, teilen wir die Nacht in dreimal vier Stunden ein. Tagsüber wachen wir sechs Stunden, sodass der andere noch ein Nickerchen machen kann. Daraus ergibt sich, dass wir pro Tag dreimal schlafen gehen und mindestens dreimal täglich aufgeweckt werden.

Drei Tage plagen wir uns mit den ständig wechselnden Windverhältnisse, mehrmals tägliches reffen, ausreffen, von Gennaker auf Fock wechseln, inklusive. Wenn die Geschwindigkeitsanzeige nur noch 1 oder 0 vor dem Komma zeigt, motoren wir auch.

Dann, auf 4°20' Süd, können wir endlich den Kurs anlegen, der uns in den nächsten 19 Tagen Richtung Ziel bringen soll - 260°. Aber noch weitere drei Tage kommen unsere Etmale nicht über 120 hinaus, zu variabel der Wind. Tagsüber sieht man die Wolken kommen, die stärkeren Wind und Regen bringen, in der Nacht gibt es häufig Überraschungen. Um bei den oft heftigen Böen nicht in Schwierigkeiten zu kommen bleibt die Segelfläche gering.

Am siebten Tag, nach 780 SM, geht es endlich los: Auf Halbwindkurs rasen wir (für unser Boot zumindest schnell) mit 6 - 7 Knoten dahin. Yippiie! So bleibt es dann eine Weile. Kurs 260°, Wind von der Seite, ab und zu ein Regenschauer, manchmal ist es bewölkt und grau, dann wieder heiter bis wolkig.

Am zehnten Tag stellen wir offiziell fest, dass uns langweilig ist, dass wir schon gerne am Ziel wären, dass uns das Geschaukel auf die Nerven geht. Das Hirn rotiert im Leerlauf, da kann selbst die umfangreiche Sammlung an Hörbüchern nichts ändern.

Dann, am dreizehnten Tag, schaffen wir unser Rekordetmal mit 168 Seemeilen. Am Tag darauf haben wir mehr als die Hälfte der Distanz zurückgelegt und der Wind dreht ein wenig. Die bis zu drei Meter hohen Wellen kommen von schräg hinten, und wir liegen nicht mehr bequem auf einer Seite sondern rollen um die Schiffslängsachse. Die Segel schlagen, das Vorsegel muß ausgebaumt werden. Die Lebensqualität hat sich weiter verringert.

Immerhin beißen die Fische gut. Wir angeln uns mehrere Doraden und einen großen Thunfisch, der uns vier Tage lang ernährt. In einer Nacht kann Sonja zwei große fliegende Fische fangen, indem sie still im Cockpit sitzt und sich treffen lässt. Abends hören wir manchmal einem deutschen Funknetz zu, bei dem sich Segler melden und ihre Position und Befindlichkeiten durchgeben können.

Doch dann entdecken wir ein unangenehmes Problem: Der Großbaum ist aus Aluminium, die Beschläge, an denen die Großschot, der Niederholer und die Reffleinen befestigt sind, aus Edelstahl. Und dort, wo diese zusammenstoßen, sind sie anscheinend schlecht oder gar nicht isoliert worden. Das bedeutet Korrosion im Aluminium, in diesem Fall von innen her, so dass wir es erst jetzt sehen, als sich Risse zeigen. Wir halten das Großsegel klein, die Belastung am Großbaum gering, und überlegen uns, wie wir die Großschot befestigen könnten, sollte deren Beschlag ausbrechen. Die Lage verschlechtert sich zum Glück nicht. Mal schaun, wie sich das reparieren lässt.

Die zweite Streckenhälfte legen wir in zehn monotonen Tagen zurück. Zu sehen gibt es außer Wellen nur Schwärme von fliegenden Fischen. Zweimal ziehen Delphine auf der Jagd vorbei, wobei sie sehr hohe Sprünge vorführen.

Schließlich, am 23. Tag, kurz nach Sonnenaufgang, ist Land in Sicht. Die Bergspitzen von Fatu Hiva sind wolkenverhangen, die steilen Hänge leuchten grün, von schwarzem Fels unterbrochen. Wir steuern die "Baie des Vierges", die Bucht der Jungfauen, an (von den ersten Seglern wurde die Bucht "Baie des Verges", zu deutsch "Penisbucht", genannt, aber dann sind die Katholiken angekommen und haben wie üblich den Spaß verdorben...). Dort fällt der Anker und unsere erste Handlung ist - nein, das Bier kommt erst an zweiter Stelle - lüften.

Kategorie: Reise | Tags: Pazifik

Marquesas erreicht

Großkreisdistanz: 3.000 Seemeilen
Versegelte Distanz: 3.174 Seemeilen
Benötigte Zeit: 23 Tage 1 Stunde 15 Minuten
Bierverbrauch: 0

Hakerl.

Kategorie: Reise | Tags: Pazifik

Galapagos

22.03.2011 - 16.04.2011

Woran denkt man üblicherweise bei Galapagos? Darwin, Finken, Schildkröten, Evolution. Woran denken Segler bei Galapagos? Blöde Regeln und teuer: Es gibt zwei offizielle Ports of Entry. Hat man einen davon angelaufen und wurde von Agent, Hafenbehörde, Immigration, Quarantäne und Nationalpark um sein Geld gebracht, darf man das Schiff bis zum Verlassen der Inseln nirgendwohin anders verlegen. Ausser, man legt noch hunderte weitere Dollar für ein für ein sogenanntes "Autografo" auf den Tisch, dann darf man bis zu vier weitere Häfen anlaufen.

Wir enscheiden uns für Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal, der östlichsten Insel des Archipels, da der Ankerplatz besser und die Behörden umgänglicher als in Puerto Ayora auf Santa Cruz sein sollen.

Schon im Hafen und in der kleinen Küstenstadt zeigt sich das einzigartige Ökosystem des Archipels: Das Fehlen von anderswo allgegenwärtigen Arten lässt ökologische Nischen frei, die dann von anderen Arten besetzt werden. Hier gibt es keine Tauben. Wer erfüllt also die Aufgabe, sämtliche öffentlichen Plätze in Besitz zu nehmen, jede freie Fläche vollzukacken und Lärm und Gestank zu verbreiten? Auf San Cristobal sind es Seelöwen. Am Ufer liegen sie überall, von wo sie nicht ständig verjagt werden, egal ob Fels, Gehsteig oder Parkbank. Sie schwimmen schnaufend und hustend um die vor Anker liegenden Boote, und wer eine Yacht mit niedrigem Freibord oder gar einer Badeplattform besitzt, muss sich einiges einfallen lassen, damit es nicht von diesen lustigen, aber leider erbärmlich stinkenden Tieren als Raststätte in Besitz genommen wird.

Am zweiten Tag machen wir gleich eine Inselrundfahrt auf San Cristobal. In der örtlichen Schildkrötenaufzuchtstation stehen wir erstmals diesen beinahe ausgerotteten Kolossen gegenüber. Am Strand "La Loberia" beobachten wir eine weitere einzigartige Art, die Meeresechsen von Galapagos, bei einer ihrer Hauptbeschäftigungen: sich in der Sonne zu wärmen.

Unter Wasser

Wir unternehmen einen Tauchausflug zu Kicker Rock, einem eindrucksvollen Felsen vor der Küste San Cristobals. Der erste Tauchgang führt durch einen tiefen Spalt von einer Seite des Felsens zur anderen. Noch in 20 Metern Tiefe wird man vom Seegang vor und zurück, rauf und runter gespült. Unmengen von Fischen behindern die Sicht auf jede Menge Schildkröten, Weißspitzenhaie, Rochen und Seelöwen. Doch das Hailight (huhaha...) kommt am Ende der Schlucht: Wie niedlich, ein kleiner Galapagoshai. Nein, es sind zwei. Ah, doch zehn. Moment mal... Vierzig? Fünfzig? Noch mehr???? Der zweite Tauchgang an der Außenseite des Felsens ist kälter und fischärmer, immerhin ein Seelöwe und ein größerer Hammerhai kommen uns begutachten. Abschluss bildet kurzes Schnorcheln bei Isla Lobos, wo wir Meeresechsen beim Algen-von-Felsen-kiefeln beobachten.

Wir nehmen die Fähre (ein Sportfischerboot mit 600 PS) nach Santa Cruz, um auch dort zu tauchen, bei Gordon Rock. Wieder mäßige Sicht, wieder Waschmaschine, wieder viele Fische und Weißspitzenhaie, aber diesmal auch eine Gruppe von fünf ausgewachsenen Hammerhaien, die zunächst neugierig näherkommen und dann gelangweilt abziehen.

Über Wasser

Da wir nicht auf eigenem Kiel andere Inseln anlaufen dürfen bleibt uns nur die reguläre Touristenoption: Wir buchen eine viertägige Inselrundfahrt, die uns zu den Inseln Floreana, Isabela und Santa Cruz führen wird. Unsere Reisegruppe besteht vollständig aus Seglern, 10 von 12 sind deutschsprachig.

Floreana ist berühmt-berüchtigt für die Tragödien unter eingewanderten Aussteigern Afang des 20. Jahrhunderts, die aber jeder selber nachlesen kann. Wir besichtigen die Trinkwasserquelle, die Auslöser von Streitigkeiten war. Außerdem sehen wir Exemplare der lokalen Riesenschildkrötenart, die hier frei leben, bei zwei ihrer drei Hauptbeschäftigungen (fressen und Familie gründen).

Isabela ist die größte, jüngste und aufregendste Insel des Archipels. Es gibt fünf große Vulkane, von denen wir einen erwandern. Die Lavalandschaft ist eindrucksvoll und bunter als man erwarten würde. Zurück in Puerto Villamil beobachten wir auf Felsinseln lebende kleine Pinguine (ja, Pinguine). Daneben die allgegenwärtigen Seelöwen, Meeresechsen, Weißspitzenhaien und Meeresschildkröten. Im Ort selbst gibt es vor allem Vögel: Flamingos, bedrohte Mangrovenfinken und leider nicht bedrohte, direkt vor dem Hotelfenster lebende nachtaktive Hähne. Kultureller Höhepunkt (...) unseres Besichtigungsprogramms ist die Wall of Tears, eine von Häftlingen einer mittlerweile aufgelassenen Strafkolonie erbaute Mauer aus Lavagestein. Das Aufschichten der Steine ohne Mörtel hat angeblich sogar die übelsten Typen gebrochen.

Santa Cruz ist die zivilisierteste aller Inseln, im Hauptort Puerto Ayora reiht sich ein Souvenirshop an den nächsten. Unsere Rundfahrt führt sowohl zu geologischen Sehenswürdigkeiten (eingestürzte Lavahöhlen, nicht eingestürzte Lavahöhlen), als auch zu biologischen, wie einem Areal mit frei lebenden Riesenschildkröten (und Souvenirshops), und dem Charles Darwin Research Center, wo Riesenschildkröten und andere bedrohte Arten gezüchtet und studiert werden (und Souvenirs verkauft werden).

Zurück auf dem Schiff bereiten wir es und uns für die nächste Etappe vor, eine der längeren: Galapagos - Marquesas. 3.000 Seemeilen offene See.

Kategorie: Reise | Tags: Ecuador Pazifik
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Letzte Position

Whangarei Marina / Whangarei / New Zealand
31.01.2012 00:00:00
35°43,4'S 174°19,5'E

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